Nun, klar dauert es immer ein bisschen, bis ich was schreibe! Grund dafür ist einerseits die Muse, die mich nicht jeden Tag zu küssen pflegt, andererseits geschieht auch nicht immer so viel, dass es für einen ganzen Eintrag reicht. Kann aber auch sein, dass ich mich schon dermassen gut eingelebt habe, dass ich vieles nicht mehr als Speziell oder Nennenswert betrachte.
Wie im vorherigen Post bereits beschrieben, lebe ich jetzt in einer Wohnung in Solna, zusammen mit zwei Kirgisen, Nurik und Ulan. Eigentlich, wenn ich es mir genau überlege, ist es gar keine Wohnung sondern eher eine Jurte, also diese traditionelle Behausung in West- und Zentralasien. Zwar ist die Wohnung nicht aus Stroh und Lehm, aber der Platz ist durchaus beschränkt und würde man Päddu Stirnimann fragen, dann schläft es sich auch gar nicht so schlecht auf dem Boden. Auch sonst ist es eine Jurte. Nebst den bereits angesprochenen kulinarischen Fähigkeiten meiner Zimmergenossen kommt es auch gerne mal vor, dass man gemeinsam vor dem Fernseher sitzt, auf dem Boden natürlich, weil es Stühle keine gibt. Wie es in einer Jurte üblich ist, wird auch immer zu viel gekocht, um eventuelle Gäste gleich mitverpflegen zu können. Wenn ich dann spätabends nach Hause komme und eigentlich keinen Hunger mehr habe, weil schon gegessen, wird mir unter stiller Androhung des Freundschaftsentzugs dennoch ein Teller hingestellt und gleich darüber hinaus noch ein Glas, oder besser gesagt ein Becher kirgisischer Cognac eingeschenkt. Das nenn ich dann nicht mehr Gastfreundschaft, sondern Mastbetrieb, aber es ist ja nur gut gemeint und ich lerne einiges über die Kultur der Zentralasiaten und Nurik, der eigentliche Chefunterhändler bei uns im Haushalt, meinte auch mal beiläufig, dass ich mich in der kirgisischen Kultur fast sicher gut zurecht finden und es mir dort bestimmt gefallen würde. Nur ein Schelm behauptet jetzt, dass die nachfolgend erwähnte jüngere Schwester von ihm nicht rein zufällig genannt wurde. Ihr könnt also beruhigt feststellen, dass man sich um mich sorgt.
Die letzten zwei Weekends waren immer mit Besuch aus der Schweiz ausgefüllt und ich glaube, dass die eine oder andere Stockholmer Bar, das eine oder andere Stockholmer Restaurant, ein paar gute Zahlen ende Monat ausweisen wird. Sowieso ist das Nachtleben hier im hohen Norden eine relativ teure Angelegenheit, mit 10.- pro Bier oder 35.- für ein Long Island Icetea muss das Bankkonto erdbebensicher und prall gefüllt in der Schweiz schlummern. Wenn auch meine Raiffeisenbank in Wünnewil auf sicherem Boden steht und kaum die Gefahr einer akuten Schüttelattacke zu befürchten ist, so happert es dennoch mit dem "prall gefüllt sein". Nurik, umsichtig wie er ist, hat mir bereits angeboten, ein gutes Wort bei seiner Arbeitgeberin einzulegen, damit auch ich die Morgenzeitungen von 01.00 in der früh bis um 04.00 verteilen darf. Dankend habe ich abgelehnt und freue mich auf den ersten grossen Lohn ende Juli.
Ganz zum Schluss des letzten Eintrags habe ich ja auch noch angetönt, dass ich mit dem Anlass in Malmö noch meine alte Universitätsstadt in Lund besuchen wollte. Das habe ich auch gemacht und es war bei 25° C im Schatten ein helles Vergnügen. Leider hat es für Copenhagen nicht mehr gereicht, aber ich war ja schon da und werde dann ein andermal wieder dort zu Besuch sein. Wenn man so viel auf Reisen ist, im Zug notabene, trifft man auf allerhand Leute und könnte ganze Bücher über das Verhalten verschiedenster Typen und Lebensweisen schreiben. So war einst neben mir ein alter, voll tätowierter Däne, der sich immerhin mit fünf Halbliterdosen Bier und gelegentlichem Schluckauf die Fahrt verschönerte. Da war eine gestresste junge Mutter auf der Strecke von Göteborg nach Stockholm, die sich ihre Nachkommen im halben Zug zusammensuchen musste. Oder da war diese alte Dame und ihr Handy. So geschehen im Zug von Malmö zurück nach Stockholm, eine 5-stündige Reise und somit hatte es etliche Passagiere, die es sich im Sitz gemütlich machten und versuchten zu schlafen. Doch mit dieser alten Dame 2 Sitzreihen diagonal vor mir hat niemand gerechnet. Rechts neben dem Sitz hatte sie eine schöne weisse Lederhandtasche mit Reissverschluss und auf dem Schoss ein paar Hefte über den Garten oder so, ganz genau hab ich das nicht gesehen. Und plötzlich, ja plötzlich trällert es aus der Tasche, als wäre gerade das Hunnische Symphonieorchester mit einer rassigen Polka zu Pferd in den Waggon hineingestürmt. Der arme Kerl in der Sitzreihe neben der Dame bekam wohl den Schock des Lebens und dass er sich nicht instinktiv auf den Boden warf, verdankte er wahrscheinlich den relativ engen Platzverhältnissen in so einem Waggon. Verübelt hätte ich es ihm nicht. Auch muss ich wohl nicht erwähnen, dass die Schlafsuchenden dem eigentlichen Ziel alles andere als nah waren.
Und die Dame? Nun, die alte Dame mit ihren Heftchen reagierte zuerst einmal nicht. Dann, so nach 10 Sekunden realisierte sie die Musik und machte ein Gesicht, als hätte es an diesem schönen Sommertag plötzlich angefangen zu regnen. Griff nach rechts zur Tasche um erstmals den ganzen Sack auf den Schoss zu legen. Reissverschluss auf, ramsch, ramsch, ramsch, ramsch und plötzlich hatte sie ihr trällerndes Hunnenorchester auf dem Schoss und schaute es ganz lange, ganz böse an. Nach eingehender Untersuchung des Umstandes fand sie dann doch noch den Knopf zur Annahme des Gesprächs und sprach ein paar wenige, unverständliche Worte, bevor sie sich wieder mir nichts, dir nichts, der Gartenzeitschrift widmete. Ein kurzer aber heftiger Spuk und bald einmal nahmen die sichtlich irritierten Mitreisenden erneuten Anlauf, die Zugstrecke schlafend hintersich zu bringen.. dieser Anblick war eine einmalige Szenerie und der Gedanke daran bringt mich heute noch zum Schmunzeln. :)
Zurück in Stockholm war ich an diesem Abend noch mit den Leuten aus dem Evil Liz Haus unterwegs. Dort geht alles seinen gewohnten Lauf. So hat Evil Liz nun Thomas beschuldigt, er versuche sie zu vergiften und wie mir gestern mitgeteilt wurde, hält sie sich auch öfters in seinem Zimmer auf und durchwühlt seine Sachen. Da Thomas noch ganze 10 Monate bleibt (aber ab Juni eine andere, eigene Wohnung hat), werden wir einen Weg suchen, ihr die Hölle so heiss wie möglich zu machen. Wer gute Ideen hat, darf sich sehr gerne bei mir melden.
Aja, das hätte ich fast vergessen: Die Tiroler-Party war der Hammer! Knödel und Österreichischen Wein, Bier und Wurst und so zwei singende Almdudler brachten die Leute ziemlich in Schwung. Thomas Ravelli, der ehem. Schwedische Nationaltorhüter wurde mir vorgestellt (naja, der kannte mich vermutlich schon 10 Sekunden später nicht mehr), oder auch sonst noch so ein paar Typen aus Sport und Politik. Knödelprominenz, würden wir dem wahrscheinlich sagen, in Anlehnung an die Schweizerische Cervelat.
Sowieso trifft sich die halbe Welt in Stockholm, ein paar Niederländer, Deutsche oder gar eine aus Vancouver habe ich kennegelernt und gerade hat mir Marcus, ein Arbeitskollege, gesagt, dass Roman Abramovich mit seinem Schlauchboot in Södermalm angelegt hat. Das ist immerhin mit 114.50 Meter Länge, zwei Helikopterlandeplätzen und weiss-nicht-wie-vielen Luxuszimmern und Sälen die grösste, je gebaute Yacht der Welt. Werde vielleicht heute Nachmittag mal vorbeigehen und ihm die besten Grüsse aus der Schweiz bestellen.
So, wie ihr merkt, habe ich nicht wirklich viel zu erzählen und ich denke, dass in 2 Wochen, wenn unsere grossen EM-Events durch sind, es vielleicht mehr Gesprächsstoff zur Arbeit oder so geben wird. Ich hoffe, dass ihr euch bis dahin gedulden könnt und möchte mich an dieser Stelle für die vielen netten Kommentare bedanken - es macht 10 Mal mehr Spass zu schreiben, wenn man weiss, dass es auch gelesen wird.
Dienstag, 27. Mai 2008
Freitag, 9. Mai 2008
Das Privileg.
Nun, ich wohne nicht unter der Brücke und muss mich auch in keinem horizontalen Gewerbe behaupten. Danke dennoch der besorgten Nachfrage.
Nach 2 Nächten im Hotel habe ich noch am Montagabend gegen 21.00 einen Anruf erhalten, wonach ich gefragt wurde, ob ich immer noch ein Zimmer suche und ob ich denn schnell vorbeikommen würde. Natürlich ging ich, irgendwie hatte ich auch keine andere Wahl.
Die Wohnung befand sich in Solna, eine Gemeinde wie sie etwa Marly ist, gut erschlossen und dennoch ein bisschen ausserhalb des Stadtzentrums und entsprechend gibt es (sehr) viele Arbeiter die jeden morgen von dort aus in die weite Welt hinauspendeln. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin jetzt auch einer von denen.
Es begrüssten mich 2 junge (23 und 24) Studenten, namens Nurik und Ulan, beide aus Kirgisistan und wirklich cool drauf. Bereits am Dienstag konnte ich dann einziehen und nachdem ich durch Wikipedia zum kirgisischen Insider wurde, wusste ich auch, dass ich ab sofort mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% mit Muslimen zusammenleben werde, oder das meine Zimmergenossen in ihrem Land nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4% in der Nähe eines Waldes leben. Der Schinken und das Bier, welches gleich am ersten Abend als Willkommensessen serviert wurden, liessen mich zwar kurzzeitig von der Idee abkommen, dass ich es hier mit muslimisch Gläubigen zu tun hatte, doch versicherten die zwei lustigen Kerle mir, dass sie sehr wohl muslimisch seien, nur mit dem "gläubig" happere es ein bisschen. Schwein gehabt, kann man da nur sagen und das meine ich ausschliesslich wortwörtlich.
Mein Zimmer dort ist eigentlich das Wohnzimmer, wobei es nur durch eine Sichtwand von der Küche getrennt ist. So kommt es vor, dass mich der Kühlschrank in den Schlaf summt oder der übriggebliebene Geruch aus der Steak-Pfanne mich mit Düften aus den Untiefen der kirgisischen Kochkunst umnebelt, währenddem ich im Bett liege. Mmmmmhm, sag ich da nur, und bedauere es ein bisschen, dass ich nicht mit Paul Bocuse zusammenlebe. Nurik und Ulan schlafen dann im eigentlichen Zimmer in einer Art Doppelbett, so wie sie's seit 3 Jahren täten. Grmbl, möchte man da sagen, doch auch hier gibt es ein klares Statement: "Weisst Du", meinte Nurik noch am gleichen Abend zu mir, "seit 3 Jahren teilen wir uns alles, bis auf die Girls. Nur dass Du's weisst." In dieser Hinsicht wurde mir auch klar, wieso sie noch einen 3. Mitbewohner für eine 2-Zimmer-Wohnung suchten. Mit meiner Miete von rund 3'000:- wage ich zu behaupten, dass ich wohl 60% bis 70% der Kosten der Miete übernehme, haben die Zwei wohl nicht wirklich ausreichend Geld im teuren Schweden.
Dennoch, es passt. Zehnmal besser als bei der Hexe, weil ich jetzt waschen kann, wann ich will, weil ich trotz den 60% rund 1000:- weniger Miete bezahle als vorher, weil die Leute umgänglich und für gemeinsames Kochen zu haben sind, weil der Mietvertrag über einen Handschlag ging. Ich darf also positiv gespannt sein, wie das noch weitergeht mit meinen WG-Gspänli.
Im Job war dies einmal mehr eine Hammerwoche. Während ich am Montag noch in erster Linie mit Wohnungssuche beschäftigt war, war ich am Dienstag bereits an einem Kurzmeeting mit dem Handelschef der Botschaft. Ein Storecheck für Schweden ist das Projekt und dies wird mich die nächsten paar Tage noch weiter beschäftigen. Am Mittwochnachmittag kam eine Schwedische Schulklasse in die Botschaft und ich habe ihnen (auf Deutsch, da sie Deutsch lernen sollen) die Schweizer Sportlandschaft näher gebracht. Natürlich durften da Östlund, Rhodin oder auch Karlberg nicht fehlen, umgekehrt berichtete ich ihnen über Martin Plüss bei Frölunda, oder Katrin Lehmann, die Ausnahmeathletin bei Solna und Hammarby.
Später am Abend war ich dann gegen 17 Uhr im Europäischen Radiostudio. Für den Tag der Sprachen im September wurden Aufzeichnungen der verschiedenen Sprachen gemacht, unter anderem auch Schweizerdeutsch. Zusammen mit der Tochter des Botschaftrates, welche vornehmlich Züridütsch spricht, haben wir dann einen (leider vorgegebenen) Dialog geführt. Leider deshalb, weil ich nur zu gern einmal "úfe häppereblätz ga chnüddere verfúngge"" über den Schwedischen Äter gesendet hätte. Aber naja, was will man machen, lustig hat sich die Züridüütsch-Frybürgertütsch-Kombo dennoch angehört.
Noch später an diesem hektischen Mittwoch war dann ein Abendessen, organisiert von Schweiz Tourismus und Wallis Tourismus. Eingeladen waren vor allem Key Account Kunden aus Schweden (also Tourimus-Büros, Journalisten) und diese liessen sich über die neusten Sachen von Saas Fee, Zermatt, Verbier, Leukerbad etc. informieren, wobei es sehr locker und vor allem informell zu und her ging. Diese Gelassenheit der Tourismus-Leute hat mich stark beeindruckt und ich habe nun ein paar sehr grosszügige Angebote, mal nach Zermatt oder Saas Fee zu gehen. Hört sich doch gut an, oder?
Nach dem leicht durchzechten Mittwochabend nahm mich der Botschaftsrat am Donnerstag mit ins Schwedische Aussenministerium, wo eine Vorinformation zur Irak-Konferenz, welche ende Mai stattfinden wird, abgehalten wurde. Lustig war da, als eine Person in breitem US-Slang eine Frage stellte, dann aber ihr Herkunftsland nicht preisgeben wollte. Ich glaube, selbst in einem Stummfilm hätte man sie eindeutig als Amerikanerin erkannt, aber was solls, Hauptsache sie konnte ein bisschen Paranoia verbreiten.
Am Abend zeigte dann unsere Schweizerische Botschaft am französischen Filmfestival hier in Stockholm einen Film aus Genf / Lausanne (Comme des Voleurs), wo es um einen identitätssuchenden, homosexuellen Lausanner geht, der mit seiner Schwester nach Polen reist, um dort die Lücke in der Familiengeschichte zu stopfen. Ein guter Film, fand ich, ziemlich witzig, wenn auch nicht typisch Schweiz. Musste er aber auch nicht sein!
Heute Abend ist in Stockholm ein "Event auf Einladung" der Österreicher (Innsbruck & Tirol) mitten in der Stadt, mit viel Pomp wurde das angekündigt. Mal schauen. Morgen gehe ich nun nach Malmö, erneut für Schweiz Tourismus und verbinde meinen Aufenthalt, Lund und ev. Kopenhagen zu besuchen. Eine Reise zurück in meine Erasmusstadt, seit langem wieder einmal. Ich bin gespannt.
Wie ein paar von euch wissen, werde ich hier oben ja nicht bezahlt. Doch die vielen Anlässe, die neuen Bekanntschaften, Erlebnisse, die vielen feinen Essen und der tiefe Einblick in die diplomatischen Arbeiten sind Lohn genug. Es ist zwar immer viel Arbeit, aber es ist schliesslich und endlich auch ein grosses Privileg.
Nach 2 Nächten im Hotel habe ich noch am Montagabend gegen 21.00 einen Anruf erhalten, wonach ich gefragt wurde, ob ich immer noch ein Zimmer suche und ob ich denn schnell vorbeikommen würde. Natürlich ging ich, irgendwie hatte ich auch keine andere Wahl.
Die Wohnung befand sich in Solna, eine Gemeinde wie sie etwa Marly ist, gut erschlossen und dennoch ein bisschen ausserhalb des Stadtzentrums und entsprechend gibt es (sehr) viele Arbeiter die jeden morgen von dort aus in die weite Welt hinauspendeln. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin jetzt auch einer von denen.
Es begrüssten mich 2 junge (23 und 24) Studenten, namens Nurik und Ulan, beide aus Kirgisistan und wirklich cool drauf. Bereits am Dienstag konnte ich dann einziehen und nachdem ich durch Wikipedia zum kirgisischen Insider wurde, wusste ich auch, dass ich ab sofort mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% mit Muslimen zusammenleben werde, oder das meine Zimmergenossen in ihrem Land nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4% in der Nähe eines Waldes leben. Der Schinken und das Bier, welches gleich am ersten Abend als Willkommensessen serviert wurden, liessen mich zwar kurzzeitig von der Idee abkommen, dass ich es hier mit muslimisch Gläubigen zu tun hatte, doch versicherten die zwei lustigen Kerle mir, dass sie sehr wohl muslimisch seien, nur mit dem "gläubig" happere es ein bisschen. Schwein gehabt, kann man da nur sagen und das meine ich ausschliesslich wortwörtlich.
Mein Zimmer dort ist eigentlich das Wohnzimmer, wobei es nur durch eine Sichtwand von der Küche getrennt ist. So kommt es vor, dass mich der Kühlschrank in den Schlaf summt oder der übriggebliebene Geruch aus der Steak-Pfanne mich mit Düften aus den Untiefen der kirgisischen Kochkunst umnebelt, währenddem ich im Bett liege. Mmmmmhm, sag ich da nur, und bedauere es ein bisschen, dass ich nicht mit Paul Bocuse zusammenlebe. Nurik und Ulan schlafen dann im eigentlichen Zimmer in einer Art Doppelbett, so wie sie's seit 3 Jahren täten. Grmbl, möchte man da sagen, doch auch hier gibt es ein klares Statement: "Weisst Du", meinte Nurik noch am gleichen Abend zu mir, "seit 3 Jahren teilen wir uns alles, bis auf die Girls. Nur dass Du's weisst." In dieser Hinsicht wurde mir auch klar, wieso sie noch einen 3. Mitbewohner für eine 2-Zimmer-Wohnung suchten. Mit meiner Miete von rund 3'000:- wage ich zu behaupten, dass ich wohl 60% bis 70% der Kosten der Miete übernehme, haben die Zwei wohl nicht wirklich ausreichend Geld im teuren Schweden.
Dennoch, es passt. Zehnmal besser als bei der Hexe, weil ich jetzt waschen kann, wann ich will, weil ich trotz den 60% rund 1000:- weniger Miete bezahle als vorher, weil die Leute umgänglich und für gemeinsames Kochen zu haben sind, weil der Mietvertrag über einen Handschlag ging. Ich darf also positiv gespannt sein, wie das noch weitergeht mit meinen WG-Gspänli.
Im Job war dies einmal mehr eine Hammerwoche. Während ich am Montag noch in erster Linie mit Wohnungssuche beschäftigt war, war ich am Dienstag bereits an einem Kurzmeeting mit dem Handelschef der Botschaft. Ein Storecheck für Schweden ist das Projekt und dies wird mich die nächsten paar Tage noch weiter beschäftigen. Am Mittwochnachmittag kam eine Schwedische Schulklasse in die Botschaft und ich habe ihnen (auf Deutsch, da sie Deutsch lernen sollen) die Schweizer Sportlandschaft näher gebracht. Natürlich durften da Östlund, Rhodin oder auch Karlberg nicht fehlen, umgekehrt berichtete ich ihnen über Martin Plüss bei Frölunda, oder Katrin Lehmann, die Ausnahmeathletin bei Solna und Hammarby.
Später am Abend war ich dann gegen 17 Uhr im Europäischen Radiostudio. Für den Tag der Sprachen im September wurden Aufzeichnungen der verschiedenen Sprachen gemacht, unter anderem auch Schweizerdeutsch. Zusammen mit der Tochter des Botschaftrates, welche vornehmlich Züridütsch spricht, haben wir dann einen (leider vorgegebenen) Dialog geführt. Leider deshalb, weil ich nur zu gern einmal "úfe häppereblätz ga chnüddere verfúngge"" über den Schwedischen Äter gesendet hätte. Aber naja, was will man machen, lustig hat sich die Züridüütsch-Frybürgertütsch-Kombo dennoch angehört.
Noch später an diesem hektischen Mittwoch war dann ein Abendessen, organisiert von Schweiz Tourismus und Wallis Tourismus. Eingeladen waren vor allem Key Account Kunden aus Schweden (also Tourimus-Büros, Journalisten) und diese liessen sich über die neusten Sachen von Saas Fee, Zermatt, Verbier, Leukerbad etc. informieren, wobei es sehr locker und vor allem informell zu und her ging. Diese Gelassenheit der Tourismus-Leute hat mich stark beeindruckt und ich habe nun ein paar sehr grosszügige Angebote, mal nach Zermatt oder Saas Fee zu gehen. Hört sich doch gut an, oder?
Nach dem leicht durchzechten Mittwochabend nahm mich der Botschaftsrat am Donnerstag mit ins Schwedische Aussenministerium, wo eine Vorinformation zur Irak-Konferenz, welche ende Mai stattfinden wird, abgehalten wurde. Lustig war da, als eine Person in breitem US-Slang eine Frage stellte, dann aber ihr Herkunftsland nicht preisgeben wollte. Ich glaube, selbst in einem Stummfilm hätte man sie eindeutig als Amerikanerin erkannt, aber was solls, Hauptsache sie konnte ein bisschen Paranoia verbreiten.
Am Abend zeigte dann unsere Schweizerische Botschaft am französischen Filmfestival hier in Stockholm einen Film aus Genf / Lausanne (Comme des Voleurs), wo es um einen identitätssuchenden, homosexuellen Lausanner geht, der mit seiner Schwester nach Polen reist, um dort die Lücke in der Familiengeschichte zu stopfen. Ein guter Film, fand ich, ziemlich witzig, wenn auch nicht typisch Schweiz. Musste er aber auch nicht sein!
Heute Abend ist in Stockholm ein "Event auf Einladung" der Österreicher (Innsbruck & Tirol) mitten in der Stadt, mit viel Pomp wurde das angekündigt. Mal schauen. Morgen gehe ich nun nach Malmö, erneut für Schweiz Tourismus und verbinde meinen Aufenthalt, Lund und ev. Kopenhagen zu besuchen. Eine Reise zurück in meine Erasmusstadt, seit langem wieder einmal. Ich bin gespannt.
Wie ein paar von euch wissen, werde ich hier oben ja nicht bezahlt. Doch die vielen Anlässe, die neuen Bekanntschaften, Erlebnisse, die vielen feinen Essen und der tiefe Einblick in die diplomatischen Arbeiten sind Lohn genug. Es ist zwar immer viel Arbeit, aber es ist schliesslich und endlich auch ein grosses Privileg.
Montag, 5. Mai 2008
Valborg
Nun, eigentlich ist es viel zu lange her, seit ich euch das letzte Mal über die Kuriositäten der Schwedischen Hauptstadt informiert habe. Ich gehe jetzt auch nicht alle Details durch, manch eine(r) hat mich darauf aufmerksam gemacht, die Einträge des Blogs seien ziemlich lange.. wenn nicht sogar zu lange.
Die Arbeit nimmt immer coolere Formen an. Marianne, die Delegierte von Switzerland Tourism (ST) Sweden, arbeitet ebenfalls im Hause der Botschaft und so hat sie mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein bisschen ins Marketing von ST für die EM'08 einzusteigen. Natürlich hatte ich!! So kam ich nebst den bereits aufgegleisten Events (Public Viewing vor dem Schloss für alle Spiele der Schweden, sowie ein Anlass auf der Residenz der Botschaft für das Eröffnungsspiel) noch zum Privileg, in die Städte von Linköping und Jönköping zu reisen, um dort den Switzerland-Stand einer grossangelegten Roadshow zu präsentieren. Hauptsponsoren sind Hyundai sowie Expressen (eine Schwedische Abendzeitung) und es wird nebst viel Fussball und Werbung auch noch Artistisches geboten. So tritt in jeder Stadt Ola auf, das ist etwa der Schwedische Kandlbauer, jedoch rund 22 Jahre alt und ein Soft-Pop-Star wie ihn nur ein Zuckerwatteproduzent übertreffen könnte. Groupies garantiert.
Das Team, welches die Roadshow begleitet (die Veranstaltungen sind immer Freitags und Samstags und innerhalb von 6 Wochen in rund 12 Städten Schwedens) ist jung und lustig, wenn auch ziemlich chaotisch organisiert. Da passe ich bestens dazu. Einmal dort, beantworte ich Fragen zur Schweiz und meistens kommen dann Leute zu mir, die schon mal in der Schweiz waren und wollen mit mir über die Ferienerlebnisse reden. Leider hielt sich der Aufmarsch der Leute, mal abgesehen von kreischenden Teenies die sich eher nicht für Fussball oder den Schweizer Stand interessierten, in Grenzen. So gesehen wird sich zeigen, wo ich noch hingehen werde (Göteborg, Helsingborg, Malmö, Uppsala und schliesslich Stockholm sind weitere Städte, die ich in dieser Form besuchen sollte, bzw. besucht habe), es ist alles auch eine Kostenfrage und die Reisespesen in so einem riesen Land können ziemlich happig sein. Mal schauen.
Weiter möchte ich über etwas schreiben, dass in der Schweiz so nicht bekannt ist. Der 30. April, "Sista April" wie es auf Schwedisch heisst, gilt in Schweden als der Party-Tag und Studenten im ganzen Land geben sich 24 Stunden lang die Kante. Grund dafür ist das Feiern der Walpurgisnacht (Valborg på svenska) und damit das Vertreiben der Geister und Hexen. Gemeinsam mit Thomas, Julien, Amélie (Kollegin von Julien) und einigen anderen Austauschstudenten zogen wir deshalb am Mittwochnachmittag nach Uppsala, eine reine Studentenstadt rund 45 Minuten ausserhalb Stockholms. Ich kannte die Festivitäten zwar schon von meiner Zeit in Lund, doch was ich in Uppsala sah, sprengte alle Grenzen. Rund 50'000 Personen machten sich mit Bier, Sandwichs und einer Decke bei gemütlichen 22° auf den zahlreichen Grünflächen breit, wobei im grössten Park der Stadt noch eine Bühne mit cooler Musik das Openair-Feeling komplettierte. Taktisch brilliant gingen die Ortskundigen dann gegen 18.00 nach Hause um den Nachmittagsrausch auszuschlafen, damit sie dann 4 Stunden später für die Party in den zahlreichen Nations (quasi die Studentenvereinigungen in Schweden, jedoch in keinster Weise vergleichbar mit Schweizerischen Studentenverbindungen) gewappnet waren. Unsereiner ging etwas essen und setzte sich an das Flüsschen welches Uppsala durchzieht, um ein bisschen zu dösen. Es war supergemütlich. Die Party am Abend dauerte dann ziemlich lange und so gegen halb 7 tags darauf waren wir nach einer endlosen und langweiligen Rückfahrt im wohlverdienten Bett. Ob wir viele Hexen und Zauberer mit unserem Einsatz verscheucht haben, wissen wir nicht, doch sollte es für unsere Vermieterin nicht gereicht haben, wie wir sehr bald feststellen mussten.
Bereits waren ja Fabrice und Daniel zu Besuch und durften die warme und heimelige Unterkunft bei Evil Liz bestaunen. Ich denke, wir hatten damals unseren Spass, selbst wenn Fabrice seit dem Videodreh auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Hinweise aus der Bevölkerung sind an das Evil Liz Witch Projekt Sthlm. AB oder an die nächsten Polizeistelle zu richten.
Am Abend des 1. Mai kam mich dann der legendäre Chrigel Engel besuchen, für alle die ihn nicht kennen, dass ist ein Kumpel vom Unihockey. Er wurde bereits vorinformiert, dass ich am Samstag für Switzerland Tourism nach Göteborg musste, um da wiederum die Vor-Festivitäten zur EM ein bisschen zu begleiten. Da es nicht möglich war, noch am gleichen Tag zurückzureisen (Stockholm - Göteborg dauert so zwischen 3 und 5 Stunden mit dem Zug, Tickets am Abend unbezahlbar), übernachtete ich in Göteborg im Hotel und überliess Chrigu meinen Schlüssel zum Lebkuchenhaus. Bad Idea!!!
Wie Chrigu am Samstagabend in die Wohnung will, schnaubt die Hexe aus dem oberen Fenster, was er hier zu suchen hätte. Ein paar Sekunden später stand sie schwups neben ihm und er musste sich ein Zettermordio von einem Donnerwetter anhören, er hätte hier gar nichts zu suchen und wo ich denn sei. Die Schlichtungsversuche vom gerufenen Julien (der hatte zur selben Zeit die Freundin zu Besuch, davon wusste die Hexe allerdings nichts) versandeten irgendwo in den Ritzen des brüchigen Hauses und so gegen 20.00 erhielt ich den Anruf. Zuerst hat mir Julien zu verstehen gegeben, dass Evil Liz wutentbrand das Haus zum kochen bringe und ich doch kurz mit ihr das klären sollte, weshalb Chrigu zu Besuch sei. Dann folgte die Konversation mit Evil Liz, die mir klar zu verstehen gab, dass mein Gast nicht im Hause erwünscht sei und weil ich ihm den Schlüssel unerlaubt übergeben hätte, sei ich auch nicht mehr erwünscht.. sie hat also nichts anderes gemacht, als mich rausgeworfen. Finito! Einfach Schluss gemacht und das am Telefon!!
Gegen Bezahlung von 100:- durfte dann Chrigu bei Julien übernachten und im gleichen Atemzug sagte Julien noch der Hexe, dass seine Freundin bei ihm sei und er die Nächte natürlich bezahlen werde. Er wollte sich, verständlicherweise, das Schicksal des Rauswurfes ersparen. Ich für meinen Teil trauerte dem misslungenen Hexenvertreiben an Valborg nach und fühlte mich ein bisschen mies, dass ich das alles dem Chrigu antat. Am Sonntag zurück aus Göteborg, gingen Chrigu und ich gleich zum Touristenbüro um das billigste Hotel in der Gegend zu buchen und anschliessend in die Höhle des Bösen. Kleider und Notebook und sonst noch 100 Sachen waren ja immer noch in "meinem" Zimmer und den Hausschlüssel hatte ich ebenfalls. Kurzum haben wir dann sämtliche Sachen zu den Franzosen gestellt, damit ich nicht alles ins Hotel nehmen musste. Bald einmal kam dann die Hexe geflogen und fütterte Julien sowie Elsa mit bösen Blicken, bösen Worten und bösen Gesten - die Anwesenheit Chrigus und meiner Wenigkeit schien sie zuerst zu ignorieren, als ich dann die hinterlegte Kaution einforderte, drehte sie komplett durch. Sie warf mir vor, den Mietvertrag gebrochen zu haben. Sie warf mir vor, manchmal aufs Dach zu steigen und dort hätte ich dann einen Galgen angebracht, um sie zu erschrecken. Sie warf mir vor, morgens um 4 durchs Haus zu schleichen und Dinge zu tun. Auch sonst hätte ich nur kriminelle Gedanken.
Julien, bald einmal selbst ziemlich wütend, probierte ihr klar zu machen, dass dieses Seil, das vom Dach hängt (eben der Galgen) schon da war, als wir eingezogen sind. Evil Liz meinte zu ihm, wenn er's so genau wisse, dann hätte er auch was damit zu tun! Die Frau hat wirklich einen schlimmen Schaden, glücklicherweise ist die psychiatrische Klinik keine 400m von unserem Haus entfernt - ev. sollte ich da mal fragen gehen, ob sie nicht jemanden vermissen.
Den Franzosen reichte es dann auch und sie kündigten per ende Mai, damit sie die Kaution nicht verlieren. Thomas, der Bayer, hat sich sowieso per anfangs Juni etwas anderes gesucht. Die 4'000 Kronen die ich jetzt noch vermisse, werde ich dann halt mal auf anderem Weg einfordern; Schweizerische Botschaft sei Dank. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Unterkunft, bereits hat sich unsere Kulturdelegierte bei mir gemeldet und kurzerhand ihr Gästezimmer angeboten, bis ich etwas finde.
Ich halte euch auf dem Laufenden und hoffe, dass ihr nicht zu sehr enttäuscht seid, dass das Kapitel rund um Evil Liz vorerst zu ende ist. Irgendwo krieg ich aber sicher bald wieder andere Probleme, so dass ich von Neuem über abenteuerliche Gegebenheiten in der Hauptstadt Skandinaviens berichten kann.
Die Arbeit nimmt immer coolere Formen an. Marianne, die Delegierte von Switzerland Tourism (ST) Sweden, arbeitet ebenfalls im Hause der Botschaft und so hat sie mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein bisschen ins Marketing von ST für die EM'08 einzusteigen. Natürlich hatte ich!! So kam ich nebst den bereits aufgegleisten Events (Public Viewing vor dem Schloss für alle Spiele der Schweden, sowie ein Anlass auf der Residenz der Botschaft für das Eröffnungsspiel) noch zum Privileg, in die Städte von Linköping und Jönköping zu reisen, um dort den Switzerland-Stand einer grossangelegten Roadshow zu präsentieren. Hauptsponsoren sind Hyundai sowie Expressen (eine Schwedische Abendzeitung) und es wird nebst viel Fussball und Werbung auch noch Artistisches geboten. So tritt in jeder Stadt Ola auf, das ist etwa der Schwedische Kandlbauer, jedoch rund 22 Jahre alt und ein Soft-Pop-Star wie ihn nur ein Zuckerwatteproduzent übertreffen könnte. Groupies garantiert.
Das Team, welches die Roadshow begleitet (die Veranstaltungen sind immer Freitags und Samstags und innerhalb von 6 Wochen in rund 12 Städten Schwedens) ist jung und lustig, wenn auch ziemlich chaotisch organisiert. Da passe ich bestens dazu. Einmal dort, beantworte ich Fragen zur Schweiz und meistens kommen dann Leute zu mir, die schon mal in der Schweiz waren und wollen mit mir über die Ferienerlebnisse reden. Leider hielt sich der Aufmarsch der Leute, mal abgesehen von kreischenden Teenies die sich eher nicht für Fussball oder den Schweizer Stand interessierten, in Grenzen. So gesehen wird sich zeigen, wo ich noch hingehen werde (Göteborg, Helsingborg, Malmö, Uppsala und schliesslich Stockholm sind weitere Städte, die ich in dieser Form besuchen sollte, bzw. besucht habe), es ist alles auch eine Kostenfrage und die Reisespesen in so einem riesen Land können ziemlich happig sein. Mal schauen.
Weiter möchte ich über etwas schreiben, dass in der Schweiz so nicht bekannt ist. Der 30. April, "Sista April" wie es auf Schwedisch heisst, gilt in Schweden als der Party-Tag und Studenten im ganzen Land geben sich 24 Stunden lang die Kante. Grund dafür ist das Feiern der Walpurgisnacht (Valborg på svenska) und damit das Vertreiben der Geister und Hexen. Gemeinsam mit Thomas, Julien, Amélie (Kollegin von Julien) und einigen anderen Austauschstudenten zogen wir deshalb am Mittwochnachmittag nach Uppsala, eine reine Studentenstadt rund 45 Minuten ausserhalb Stockholms. Ich kannte die Festivitäten zwar schon von meiner Zeit in Lund, doch was ich in Uppsala sah, sprengte alle Grenzen. Rund 50'000 Personen machten sich mit Bier, Sandwichs und einer Decke bei gemütlichen 22° auf den zahlreichen Grünflächen breit, wobei im grössten Park der Stadt noch eine Bühne mit cooler Musik das Openair-Feeling komplettierte. Taktisch brilliant gingen die Ortskundigen dann gegen 18.00 nach Hause um den Nachmittagsrausch auszuschlafen, damit sie dann 4 Stunden später für die Party in den zahlreichen Nations (quasi die Studentenvereinigungen in Schweden, jedoch in keinster Weise vergleichbar mit Schweizerischen Studentenverbindungen) gewappnet waren. Unsereiner ging etwas essen und setzte sich an das Flüsschen welches Uppsala durchzieht, um ein bisschen zu dösen. Es war supergemütlich. Die Party am Abend dauerte dann ziemlich lange und so gegen halb 7 tags darauf waren wir nach einer endlosen und langweiligen Rückfahrt im wohlverdienten Bett. Ob wir viele Hexen und Zauberer mit unserem Einsatz verscheucht haben, wissen wir nicht, doch sollte es für unsere Vermieterin nicht gereicht haben, wie wir sehr bald feststellen mussten.
Bereits waren ja Fabrice und Daniel zu Besuch und durften die warme und heimelige Unterkunft bei Evil Liz bestaunen. Ich denke, wir hatten damals unseren Spass, selbst wenn Fabrice seit dem Videodreh auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Hinweise aus der Bevölkerung sind an das Evil Liz Witch Projekt Sthlm. AB oder an die nächsten Polizeistelle zu richten.
Am Abend des 1. Mai kam mich dann der legendäre Chrigel Engel besuchen, für alle die ihn nicht kennen, dass ist ein Kumpel vom Unihockey. Er wurde bereits vorinformiert, dass ich am Samstag für Switzerland Tourism nach Göteborg musste, um da wiederum die Vor-Festivitäten zur EM ein bisschen zu begleiten. Da es nicht möglich war, noch am gleichen Tag zurückzureisen (Stockholm - Göteborg dauert so zwischen 3 und 5 Stunden mit dem Zug, Tickets am Abend unbezahlbar), übernachtete ich in Göteborg im Hotel und überliess Chrigu meinen Schlüssel zum Lebkuchenhaus. Bad Idea!!!
Wie Chrigu am Samstagabend in die Wohnung will, schnaubt die Hexe aus dem oberen Fenster, was er hier zu suchen hätte. Ein paar Sekunden später stand sie schwups neben ihm und er musste sich ein Zettermordio von einem Donnerwetter anhören, er hätte hier gar nichts zu suchen und wo ich denn sei. Die Schlichtungsversuche vom gerufenen Julien (der hatte zur selben Zeit die Freundin zu Besuch, davon wusste die Hexe allerdings nichts) versandeten irgendwo in den Ritzen des brüchigen Hauses und so gegen 20.00 erhielt ich den Anruf. Zuerst hat mir Julien zu verstehen gegeben, dass Evil Liz wutentbrand das Haus zum kochen bringe und ich doch kurz mit ihr das klären sollte, weshalb Chrigu zu Besuch sei. Dann folgte die Konversation mit Evil Liz, die mir klar zu verstehen gab, dass mein Gast nicht im Hause erwünscht sei und weil ich ihm den Schlüssel unerlaubt übergeben hätte, sei ich auch nicht mehr erwünscht.. sie hat also nichts anderes gemacht, als mich rausgeworfen. Finito! Einfach Schluss gemacht und das am Telefon!!
Gegen Bezahlung von 100:- durfte dann Chrigu bei Julien übernachten und im gleichen Atemzug sagte Julien noch der Hexe, dass seine Freundin bei ihm sei und er die Nächte natürlich bezahlen werde. Er wollte sich, verständlicherweise, das Schicksal des Rauswurfes ersparen. Ich für meinen Teil trauerte dem misslungenen Hexenvertreiben an Valborg nach und fühlte mich ein bisschen mies, dass ich das alles dem Chrigu antat. Am Sonntag zurück aus Göteborg, gingen Chrigu und ich gleich zum Touristenbüro um das billigste Hotel in der Gegend zu buchen und anschliessend in die Höhle des Bösen. Kleider und Notebook und sonst noch 100 Sachen waren ja immer noch in "meinem" Zimmer und den Hausschlüssel hatte ich ebenfalls. Kurzum haben wir dann sämtliche Sachen zu den Franzosen gestellt, damit ich nicht alles ins Hotel nehmen musste. Bald einmal kam dann die Hexe geflogen und fütterte Julien sowie Elsa mit bösen Blicken, bösen Worten und bösen Gesten - die Anwesenheit Chrigus und meiner Wenigkeit schien sie zuerst zu ignorieren, als ich dann die hinterlegte Kaution einforderte, drehte sie komplett durch. Sie warf mir vor, den Mietvertrag gebrochen zu haben. Sie warf mir vor, manchmal aufs Dach zu steigen und dort hätte ich dann einen Galgen angebracht, um sie zu erschrecken. Sie warf mir vor, morgens um 4 durchs Haus zu schleichen und Dinge zu tun. Auch sonst hätte ich nur kriminelle Gedanken.
Julien, bald einmal selbst ziemlich wütend, probierte ihr klar zu machen, dass dieses Seil, das vom Dach hängt (eben der Galgen) schon da war, als wir eingezogen sind. Evil Liz meinte zu ihm, wenn er's so genau wisse, dann hätte er auch was damit zu tun! Die Frau hat wirklich einen schlimmen Schaden, glücklicherweise ist die psychiatrische Klinik keine 400m von unserem Haus entfernt - ev. sollte ich da mal fragen gehen, ob sie nicht jemanden vermissen.
Den Franzosen reichte es dann auch und sie kündigten per ende Mai, damit sie die Kaution nicht verlieren. Thomas, der Bayer, hat sich sowieso per anfangs Juni etwas anderes gesucht. Die 4'000 Kronen die ich jetzt noch vermisse, werde ich dann halt mal auf anderem Weg einfordern; Schweizerische Botschaft sei Dank. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Unterkunft, bereits hat sich unsere Kulturdelegierte bei mir gemeldet und kurzerhand ihr Gästezimmer angeboten, bis ich etwas finde.
Ich halte euch auf dem Laufenden und hoffe, dass ihr nicht zu sehr enttäuscht seid, dass das Kapitel rund um Evil Liz vorerst zu ende ist. Irgendwo krieg ich aber sicher bald wieder andere Probleme, so dass ich von Neuem über abenteuerliche Gegebenheiten in der Hauptstadt Skandinaviens berichten kann.
Mittwoch, 23. April 2008
The Mystery Begins...
Nun, vielleicht ist dies mein letzter Beitrag. Am letzten Montag haben wir uns definitiv auf die Suche nach dem Rätsel rund um Evil Liz gemacht und dabei harsträubende Entdeckungen machen müssen... Sound an, YouTube-Video laden und ihr könnt sehen, wieso es uns nie langweilig wird..
Mittwoch, 16. April 2008
Die Woche Zwei.
Nun, ich möchte mich gleich zu Beginn für die vielen Rat- Vor und Tiefschläge bedanken, die ich von eurer Seite her erhalten habe. Entgegen gewissen Äusserungen denke ich nicht, dass ich demnächst als Wurstspezialität irgendwo hinter der Theke hänge und ich hoffe auch nicht, dass unter der Fassade des Hauses in Wirklichkeit Lebkuchen ist. Verwundern würde es mich allerdings nicht.
Bevor ich zur Arbeit an der Botschaft komme und bevor ich die diplomatischen Erdbeben beschreibe, die ich bereits ausgelöst habe, werde ich noch kurz zu Evil Liz, Quasimodo und den Franzosen ein paar Worte verlieren.
Stehengeblieben sind wir ja eigentlich dort, wo der Kerl versucht hat, nochmals die Toilette zu reparieren und ich aber dann mit der Vorhängekette an der Tür diesem Tun im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vorschob. In der Zwischenzeit ist noch ein Bayer eingezogen, ein goldiger Junge (jo mej), angehender Doktor der Biologie, welcher sich den inneren Organe einer 1.5mm Tiefseeschnecke verschrieben hat. Wir verstehe uns sehr gut und auch er findet das Haus ein bisschen seltsam.
Einen ganz grossen Fehler habe ich beim letzten Beitrag gemacht, indem ich nicht erwähnt habe, dass Evil Liz ursprünglich aus den Philippinen kommt. Unter diesem Licht war dann nach kurzer Diskussion mit einer Botschaftskollegin auch klar, dass der Quasimodo vermutlich ein illegaler Einwanderer ist, der sich bei ihr versteckt, ergo auch weder Englisch noch Schwedisch kann und sein Gesicht deshalb verbergen wollte, weil ich den dunklen Teint auch morgens um 4 gleich erkannt hätte. Dieses Rätsel ist gelöst und ich darf auch sagen, dass die letzte Woche eigentlich ruhig verlaufen ist, keine Störungen mehr um morgens um Vier, doch auch keine zu ende reparierte Toilette. Dieser Umstand äussert sich nun darin, dass man zwar alles tun kann, was man mit einer Toilette gerne tut, der Fuss der Besagten jedoch weder angeschraubt noch einbetoniert ist; sie steht, oder besser gesagt sie stitzt, einfach da. Aber sie funktioniert..
Eben. Am letzten Sonntag habe ich mir dann gedacht, dass es doch eigentlich ganz gut ist, wo ich wohne (man wird genügsam), dass es auch nichts macht, dass ich den Grund für die verschlossenen Türen nicht kenne, dass es auch nichts macht, dass egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit wir nach Hause kommen, Evil Liz am Fenster steht, schliesslich gibt das ein Gefühl der Sicherheit. In jedem Raum hat sie zudem auch einen Feuermelder (das verstehe ich ja noch) und etwa 4 Temperaturmelder angebracht, wovon teilweise ein paar mit Remotecontrol ausgestattet sind, damit sie die Temperatur in unserem Zimmer von ihrer Wohnung aus Überwachen kann. Da mir ja (wie im früheren Beitrag erwähnt) manchmal kalt war, habe ich von unserem Kanzleiweibel auf der Botschaft so einen Heissluft-Wärmer erhalten und natürlich würde sie es über die Remote-Temperaturmesser merken, wenn der Heizer läuft und gemütliche 23° im Raume verbreitet. Aber sie hat die Rechnung ohne mich gemacht. Seit ein paar Tagen ist es nun mein Hobby, diese mobilen Remote-Controls mal in den Tiefkühler zu legen, mal auf den Backofen, so dass es zwischen - 10° bis über 45° schon etliche Temperaturschwankungen im Hause hatte. Zumindest aus ihrer Optik.
Also, ich sass an diesem Sonntagnachmittag so da und denke ein bisschen vor mich hin, da kommt Evil Liz zur Tür hinein. Das heisst, sie hat's versucht, denn der Bayer und ich haben beschlossen, das Kettchen an der Tür immer zu gebrauchen (obwohl es nichts bringt, man könnte es auch von aussen lösen, sie weiss es nur nicht). Ah, wie sich Evil Liz geärgert hat, "wir seien eine Saubande" meinte sie, "sie hätte uns doch schon gesagt, wir sollen nichts verschliessen" und im gleichen Atemzug meinte sie noch, wie seien in einem der geheimen, mysteriösen Zimmern gewesen, sie hätte den elektronischen Hund gehört, den sie als Bewegungsmelder dort angebracht hat. pfff...
Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte der Leserin, dem Leser klar sein, dass Evil Liz total paranoid ist. Wären wir in irgendeinem verbotenen Zimmer gewesen, hätten pro verbotene Tür ca. 30 legale Alarmanlagen losgedröhnt, nicht zu erwähnen, dass wir ja gar keine verbotenen Schlüssel zu den verbotenen Türen besassen, auch nicht zu den unsrigen erlaubten Zimmern. Das schien ihr überhaupt nicht einzuleuchten und sie schnaubte und stiefelte und murmelte irgendwas, so dass ich das Gefühl bekam, ich wäre gerade Zeuge meiner eigenen Verhexung geworden.
Eben, wir hatten ja keine Schlüssel für unsere Zimmer und so konnten wir auch nichts aufschliessen und leider auch nichts zuschliessen. Doch sie, sie hatte einen ganzen Sack voller Schlüssel. So kam es, dass ich am Montag von der Arbeit nach Hause kam und mein Zimmer verschlossen vorfand. Die übers Handy orienterte Evil Liz bestritt zwar jegliche Beteiligung an diesem Spuk (in Schweden kann es durchaus mal vorkommen, dass sich Türen von selbst verschliessen), meinte noch, wir hätten das bestimmt selbst gemacht, um sie zu ärgern (jaja... sicher) öffnete die Tür, gab mir einen anderen Schlüssel für mein Zimmer (der leider nicht funktioniert) und zottelte wutentbrand davon. Sie ist ein Freak! .. und wisst ihr was? Neulich kam sie noch zu mir und sagte, sie hätte das Recht in mein Zimmer zu gehen, wann sie wolle, es stehe so im Vertrag und sowieso sei sie eine nette Person. Da bin ich ja beruhigt, ich dachte nämlich schon, sie sei in Wirklichkeit Hannibal Lecters Therapeutin im Ruhestand.
Soweit eigentlich die Szenerie bei mir zu Hause. Würden da nicht die Franzosen (nennen wir sie doch Julien und Elsa) und der Schneckensammler aus Bayern (nennen wir ihn Thomas) wohnen, hätte ich längst mein Zimmer mit Knoblauch behängt und einen Kreidekreis um mein Bett gezogen. So aber lässt es sich ganz gut leben, die Hexe ist immer für eine Überraschung gut und die andern Drei helfen mir dann beim Lachen, Enträtseln und Nachforschen, weil ihnen geht es ja nicht besser.
Das Leben an der Botschaft geht schon einiges gesitteter zu. Zum Glück! Ich habe hier mein Büro gleich in der Nähe zum Büro des Botschafters, sowie des Botschaftsrates und kriege durch die 'offene Tür'-Politik eigentlich auch ganz viel mit. Meine Aufgabe ist nebst der Erledigung von so verschiedenen kleinen Sachen und Projekten unter anderem bei der Organisation der Euro'08-Festivitäten mitzuhelfen. Ziel wäre es eigentlich, die Schweiz über die Euro'08 in Schweden ein bisschen bekannter zu machen, irgendwie die Gunst der Stunde zu nutzen. Das wird auch gelingen, was wir jedoch genau machen, das schreibe ich dann ein andermal. Natürlich sind die Österreicher auch nicht am schlafen und so kam es, dass ich bereits Ihre Exzellenz Botschafter aus Österreich an einer Sitzung begrüssen durfte. Schön, nicht?
Sowieso konnte ich schon an einige Treffen und Sitzungen und das ist immer sehr spannend. Für den Tag der Sprachen, der im September hier in Stockholm stattfindet, hatte ich zum Beispiel ein Meeting mit dem Goethe-Institut hier in Schweden. An dieser Sitzung waren nebst Deutschexperten auch die Praktikantin der Deutschen Botschaft und wie ich da so sitze, habe ich gemerkt, dass sie ein bisschen Angela Merkel ähnelt. Ja, ziemlich stark eigentlich und ich musste mir natürlich dann auch überlegen, ob dies vielleicht gar kein Zufall ist und die Deutschen kleine Mini-Angelas als Vertretung ins Ausland schicken? Oder vielleicht sehe ich ja auch aus wie Pascal Chouchepin? Während mir diese Schaudergedanken um unseren Bundespräsidenten und meiner Wenigkeit durch den Kopf gehen, war die Sitzung fertig.
Obwohl ich tagsdarauf nicht mehr an meinem Couchepin-Komplex rumstudierte und obwohl mir die Prakikatin als "Gianna" vorgestellt wurde, sprach ich sie natürlich mit Angela an. Ja das war dann nicht so ideal und ich sicherte ihr zu, dass das ein reiner Versprecher "gianna vs. angela" war und versprach ihr, dass ich mich dafür mit einem Bier irgendwann revanchiere. Sie stimmte zu und ab diesem Zeitpunkt wurde mir auch bewusst, dass Diplomatische Verspannungen auch mal mit einem kalten Hopfentee gelockert werden können. Et volià.
So, mehr zu lesen gibt es ein andermal. Morgen kommt der erste Besuch und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Eine Frage der Woche kommt mir so spontan nicht in den Sinn, aber vielleicht gibts ja Fragen von euch? :)
Bevor ich zur Arbeit an der Botschaft komme und bevor ich die diplomatischen Erdbeben beschreibe, die ich bereits ausgelöst habe, werde ich noch kurz zu Evil Liz, Quasimodo und den Franzosen ein paar Worte verlieren.
Stehengeblieben sind wir ja eigentlich dort, wo der Kerl versucht hat, nochmals die Toilette zu reparieren und ich aber dann mit der Vorhängekette an der Tür diesem Tun im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vorschob. In der Zwischenzeit ist noch ein Bayer eingezogen, ein goldiger Junge (jo mej), angehender Doktor der Biologie, welcher sich den inneren Organe einer 1.5mm Tiefseeschnecke verschrieben hat. Wir verstehe uns sehr gut und auch er findet das Haus ein bisschen seltsam.
Einen ganz grossen Fehler habe ich beim letzten Beitrag gemacht, indem ich nicht erwähnt habe, dass Evil Liz ursprünglich aus den Philippinen kommt. Unter diesem Licht war dann nach kurzer Diskussion mit einer Botschaftskollegin auch klar, dass der Quasimodo vermutlich ein illegaler Einwanderer ist, der sich bei ihr versteckt, ergo auch weder Englisch noch Schwedisch kann und sein Gesicht deshalb verbergen wollte, weil ich den dunklen Teint auch morgens um 4 gleich erkannt hätte. Dieses Rätsel ist gelöst und ich darf auch sagen, dass die letzte Woche eigentlich ruhig verlaufen ist, keine Störungen mehr um morgens um Vier, doch auch keine zu ende reparierte Toilette. Dieser Umstand äussert sich nun darin, dass man zwar alles tun kann, was man mit einer Toilette gerne tut, der Fuss der Besagten jedoch weder angeschraubt noch einbetoniert ist; sie steht, oder besser gesagt sie stitzt, einfach da. Aber sie funktioniert..
Eben. Am letzten Sonntag habe ich mir dann gedacht, dass es doch eigentlich ganz gut ist, wo ich wohne (man wird genügsam), dass es auch nichts macht, dass ich den Grund für die verschlossenen Türen nicht kenne, dass es auch nichts macht, dass egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit wir nach Hause kommen, Evil Liz am Fenster steht, schliesslich gibt das ein Gefühl der Sicherheit. In jedem Raum hat sie zudem auch einen Feuermelder (das verstehe ich ja noch) und etwa 4 Temperaturmelder angebracht, wovon teilweise ein paar mit Remotecontrol ausgestattet sind, damit sie die Temperatur in unserem Zimmer von ihrer Wohnung aus Überwachen kann. Da mir ja (wie im früheren Beitrag erwähnt) manchmal kalt war, habe ich von unserem Kanzleiweibel auf der Botschaft so einen Heissluft-Wärmer erhalten und natürlich würde sie es über die Remote-Temperaturmesser merken, wenn der Heizer läuft und gemütliche 23° im Raume verbreitet. Aber sie hat die Rechnung ohne mich gemacht. Seit ein paar Tagen ist es nun mein Hobby, diese mobilen Remote-Controls mal in den Tiefkühler zu legen, mal auf den Backofen, so dass es zwischen - 10° bis über 45° schon etliche Temperaturschwankungen im Hause hatte. Zumindest aus ihrer Optik.
Also, ich sass an diesem Sonntagnachmittag so da und denke ein bisschen vor mich hin, da kommt Evil Liz zur Tür hinein. Das heisst, sie hat's versucht, denn der Bayer und ich haben beschlossen, das Kettchen an der Tür immer zu gebrauchen (obwohl es nichts bringt, man könnte es auch von aussen lösen, sie weiss es nur nicht). Ah, wie sich Evil Liz geärgert hat, "wir seien eine Saubande" meinte sie, "sie hätte uns doch schon gesagt, wir sollen nichts verschliessen" und im gleichen Atemzug meinte sie noch, wie seien in einem der geheimen, mysteriösen Zimmern gewesen, sie hätte den elektronischen Hund gehört, den sie als Bewegungsmelder dort angebracht hat. pfff...
Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte der Leserin, dem Leser klar sein, dass Evil Liz total paranoid ist. Wären wir in irgendeinem verbotenen Zimmer gewesen, hätten pro verbotene Tür ca. 30 legale Alarmanlagen losgedröhnt, nicht zu erwähnen, dass wir ja gar keine verbotenen Schlüssel zu den verbotenen Türen besassen, auch nicht zu den unsrigen erlaubten Zimmern. Das schien ihr überhaupt nicht einzuleuchten und sie schnaubte und stiefelte und murmelte irgendwas, so dass ich das Gefühl bekam, ich wäre gerade Zeuge meiner eigenen Verhexung geworden.
Eben, wir hatten ja keine Schlüssel für unsere Zimmer und so konnten wir auch nichts aufschliessen und leider auch nichts zuschliessen. Doch sie, sie hatte einen ganzen Sack voller Schlüssel. So kam es, dass ich am Montag von der Arbeit nach Hause kam und mein Zimmer verschlossen vorfand. Die übers Handy orienterte Evil Liz bestritt zwar jegliche Beteiligung an diesem Spuk (in Schweden kann es durchaus mal vorkommen, dass sich Türen von selbst verschliessen), meinte noch, wir hätten das bestimmt selbst gemacht, um sie zu ärgern (jaja... sicher) öffnete die Tür, gab mir einen anderen Schlüssel für mein Zimmer (der leider nicht funktioniert) und zottelte wutentbrand davon. Sie ist ein Freak! .. und wisst ihr was? Neulich kam sie noch zu mir und sagte, sie hätte das Recht in mein Zimmer zu gehen, wann sie wolle, es stehe so im Vertrag und sowieso sei sie eine nette Person. Da bin ich ja beruhigt, ich dachte nämlich schon, sie sei in Wirklichkeit Hannibal Lecters Therapeutin im Ruhestand.
Soweit eigentlich die Szenerie bei mir zu Hause. Würden da nicht die Franzosen (nennen wir sie doch Julien und Elsa) und der Schneckensammler aus Bayern (nennen wir ihn Thomas) wohnen, hätte ich längst mein Zimmer mit Knoblauch behängt und einen Kreidekreis um mein Bett gezogen. So aber lässt es sich ganz gut leben, die Hexe ist immer für eine Überraschung gut und die andern Drei helfen mir dann beim Lachen, Enträtseln und Nachforschen, weil ihnen geht es ja nicht besser.
Das Leben an der Botschaft geht schon einiges gesitteter zu. Zum Glück! Ich habe hier mein Büro gleich in der Nähe zum Büro des Botschafters, sowie des Botschaftsrates und kriege durch die 'offene Tür'-Politik eigentlich auch ganz viel mit. Meine Aufgabe ist nebst der Erledigung von so verschiedenen kleinen Sachen und Projekten unter anderem bei der Organisation der Euro'08-Festivitäten mitzuhelfen. Ziel wäre es eigentlich, die Schweiz über die Euro'08 in Schweden ein bisschen bekannter zu machen, irgendwie die Gunst der Stunde zu nutzen. Das wird auch gelingen, was wir jedoch genau machen, das schreibe ich dann ein andermal. Natürlich sind die Österreicher auch nicht am schlafen und so kam es, dass ich bereits Ihre Exzellenz Botschafter aus Österreich an einer Sitzung begrüssen durfte. Schön, nicht?
Sowieso konnte ich schon an einige Treffen und Sitzungen und das ist immer sehr spannend. Für den Tag der Sprachen, der im September hier in Stockholm stattfindet, hatte ich zum Beispiel ein Meeting mit dem Goethe-Institut hier in Schweden. An dieser Sitzung waren nebst Deutschexperten auch die Praktikantin der Deutschen Botschaft und wie ich da so sitze, habe ich gemerkt, dass sie ein bisschen Angela Merkel ähnelt. Ja, ziemlich stark eigentlich und ich musste mir natürlich dann auch überlegen, ob dies vielleicht gar kein Zufall ist und die Deutschen kleine Mini-Angelas als Vertretung ins Ausland schicken? Oder vielleicht sehe ich ja auch aus wie Pascal Chouchepin? Während mir diese Schaudergedanken um unseren Bundespräsidenten und meiner Wenigkeit durch den Kopf gehen, war die Sitzung fertig.
Obwohl ich tagsdarauf nicht mehr an meinem Couchepin-Komplex rumstudierte und obwohl mir die Prakikatin als "Gianna" vorgestellt wurde, sprach ich sie natürlich mit Angela an. Ja das war dann nicht so ideal und ich sicherte ihr zu, dass das ein reiner Versprecher "gianna vs. angela" war und versprach ihr, dass ich mich dafür mit einem Bier irgendwann revanchiere. Sie stimmte zu und ab diesem Zeitpunkt wurde mir auch bewusst, dass Diplomatische Verspannungen auch mal mit einem kalten Hopfentee gelockert werden können. Et volià.
So, mehr zu lesen gibt es ein andermal. Morgen kommt der erste Besuch und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Eine Frage der Woche kommt mir so spontan nicht in den Sinn, aber vielleicht gibts ja Fragen von euch? :)
Montag, 7. April 2008
The Creepy Rocky Horror Picture House on Elm Street
Nun, ich habe ja in meinem vorangehenden Beitrag bereits erwähnt, dass ich in einem kalten Zimmer wohne, ein bisschen ausserhalb von Stockholm (allerdings nur 15Min. von Tür zu Tür!), mit einer etwas geldgierigen Vermieterin. Schön und gut.
Man muss sich das Haus so vorstellen: es ist in einem ruhigen Quartier,doch nahe einer Schnellstrasse, ein bisschen auf einem Hügel und müsste mal frisch gestrichen werden. Rund herum hats, obwohl ich noch nie hinter dem Haus war, viel Gestrüpp und es sieht eher wie bei Dornröschen aus, als wie bei Prinzessin Madleine vor dem Schloss. Kommt man unten durch den vermutlich weissen Gartenzaun, gibts gleich eine Gartentreppe nach oben, welche zu den drei potentiellen Hauseingängen führt. Der Eingang zur Wohnung wo ich wohne, ist der Unweiteste zur Gartentreppe.
Meine Vermieterin wohnt vermutlich auch in diesem Haus, genauer gesagt in einer Wohnung über meiner Wohnung, so genau weiss ich das nicht. Ebenfalls wohnt noch jemand anderes in der Wohnung meiner Vermieterin, aber wer das sein könnte.. den Schritten und den unverständlichen Worten muss es sich um ein männliches Wesen handeln. Aussen wie in der Wohnung, in der ich lebe, hat es diverse Türen, die verschlossen sind und bei welchen ich keine Ahnung habe, wohin sie führen. Einen Schlüssel für die Wohnungstür hab ich, fürs Zimmer wollte sie mir keinen geben, "solange keine andere, zusätzliche Person mit mir die Wohnung teile".
Nun, in meiner Wohnung ist es zudem (wie erwähnt) ziemlich kalt und gleich bei der Ankunft musste ich auch bemerken, das die Toilette nach dem Betätigen des selbstgebastelten Spühlhebels nicht automatisch den Spühlkasten schliesst und entsprechend das Wasser nur so den Bach runter läuft. Auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, meinte die Vermieterin (nennen wir sie doch Evil Liz), sie hätte den Plumber bereits bestellt, am Freitagnachmittag werde das repariert. Super.
Freitags war ich am Nachmittag auf Stadtbummel, am Abend blieb ich zu Hause und las in einem Buch, dass ich mir bei Ahlens im Stadtzentrum gekauft habe. Die Toilette, sie ist gleich neben meinem Zimmer, war zu diesem Zeitpunkt nicht geflickt, gestört hat mich das aber irgendwie auch nicht, weil der selbstgebastelte Spühlhebel tat mit ein bisschen Übung auch seinen Dienst. So gegen Mitternacht, glaub ich, bin ich dann eingepennt. - 1 Stunde - 2 Stunden - 3 Stunden - Um 4.00 morgens rumpelt es in der Wohnung: Schritte, Werkzeuge, hie und da ein Keuchen. Der Boden wie die Wände sind so dünn, dass man jeden Schritt durchs Holz knarren hört; ich habe gesehen, dass selbst die Mäuse noch Gummisohlen anziehen, um unentdeckt zu bleiben, nicht zu erwähnen, dass sie untereinander nur flüstern.
Nun war ich wach. Hellwach und ich wusste, dass da einer im Badezimmer seinen Unfug trieb. Einfach so kam er aber sicher nicht rein, die Vermieterin hat an jedem Fenster und an jeder Tür diese batteriebetriebenen Alarmdinger installiert, keine Chance ungehört einzubrechen. Mir war klar, dass er einen Schlüssel hatte. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber morgens um 4 eine WC-Schüssel zu reparieren, fand ich doch ein bisschen schräg. Also machte ich mich auf und ging in den Gang. Draussen vor meiner Tür kniete ein Mann mit grüner Skijacke auf dem Boden, um sich herum ein paar Werkzeuge verstreut und die Kapuze der Jacke tief ins Gesicht gezogen, damit ich ihn ja-nicht sehen konnte. Mein "hej" beantwortete er mit einem unverständlichen und kurzen Grummeln und irritiert wie ich war, lief ich zuerst mal in die Küche. Nach einem halben Glas Wasser und kurzer Bedenkzeit ging ich zurück und fragte, ob ich denn etwas Helfen könnte (da ich schon wach war, fand ich dieses Angebot mehr als angebracht), doch auch hier war die Antwort ein zwar diesmal etwas längeres Grummeln, jedoch ohne Gesicht und ohne grössere Konversation. Seine Hand zeigte unmissverständlich, dass er die Lage selbst im Griff hätte.
Zurüch in meine Zimmer fand ich das natürlich jetzt gar nicht mehr so lustig. Ich meine, dass einer morgens um 4 noch herumwerkelt, ging noch, dass er sein Gesicht nicht zeigen wollte, fand ich äusserst suspekt und war Grund genug, dem Schlaf noch ein Weilchen fern zu bleiben. Es blieben mir zwei Varianten: Entweder ist er der meistgesuchteste Kriminelle Schwedens, der sich in unserem Haus versteckt, oder es ist der Bruder von Quasimodo, weshalb er sein Gesicht nur an Familienfeiern zu erkennen gibt.
Ein paar SMS in die Runde brachten irgendwie nicht den gewünschten Effekt, waren um 04.30 doch eigentlich alle noch am Schlafen. Doch plötzlich besann ich mich, dass Freund Moritz in Singapur ja 6 Stunden voraus war und Freund Yves meist das Handy angestellt liess, da er sowieso noch was fürs Geschäft erledigen musste. Es waren denn auch wirklich die Beiden, die geantwortet haben. Wir kamen durch zahlreiche SMS übereins, dass die Polizei wohl nicht wirklich zu holen ist, soweit war der Kerl draussen ja auch nur die Toilette am reparieren. Mein Zimmer jedoch stand ab diesem Zeitpunkt unter Alarmzustand.
So gegen 06.00 war der Spuk vorbei und der Kerl war weg. Ich ging nach draussen und musste verdutzt feststellen, dass gar nix verändert wurde. Nix geflickt! Nun war's genug. Kurz mit Moritz abgesprochen, lief ich die 150m zur nächsten Bahnhaltestelle und wählte übers Handy 112. Die Notrufnummer in Schweden ist für alles gut, ob man nun die Feuerwehr, die dargebotene Hand, die Polizei oder wie ich, die Geisterjäger brauchte. Der sehr freundliche Herr am anderen Ende meinte, nach Schilderung meiner Lage (ich meine, ich habe ihm auch gesagt, dass ich vermutlich obdachlos bin, wenn sie mit einem Grossaufgebot ein Haus stürmen, wo ich nur Untermieter bin) meinte er, ein Rapport müsse dann wohl reichen, beim nächsten Mal solle ich die Polizei rufen, wenn der Kerl noch im Hause isei.
Samstagnachmittag habe ich dann durch ein Kurzmitteilung Evil Liz klar gemacht, dass ich solche Aktionen nicht sonderlich toll finden würde. Ihre Antwort war kurz und klar: ich sei undankbar, schliesslich seien die Arbeiten ja zu meinen Gunsten ausgeführt worden. Aha! Bitte entschuldigen Sie! >> Dumme Kuh....
Samstagabend war dann ganz gemütlich. Helena, momentan Austauschstudentin in Fribourg doch an diesem Wochenende wegen Onkelgeburtstag in Stockholm, nahm mich zu einem Sushi-Essen mit und danach lernte ich noch ein paar Bars und Clubs kennen. Die einen näher, die anderen aus der Ferne. So gegen Viertel vor Vier war ich dann zu Hause und im Bett. Kaum 45Minuten geschlafen, kam der laute Quasimodo wieder (ok, diesmal kam er 30 Minuten später als in der Nacht zuvor, aber wer von uns schläft am Sonntag nicht auch gerne mal ein bisschen länger). Also, der Laute kam. Ich meine, ich hatte schon das eine oder andere Bier, aber auch nicht sooo viel, dass ich das Austauschen einer ganzen WC-Schüssel um morgens um halb 5 nicht mitkriegen würde!! Doch auch diesmal habe ich die Polizei nicht gerufen und auch diesmal war er um 6.00 wieder weg. Der Sonntag begann.
Mir war es dann irgendwie zu blöd, Evil Liz nochmals eine SMS zu schicken, obwohl die Toilette noch nicht ganz fertig repariert / installiert war. Ich verbrachte den Sonntagnachmittag mit Lesen und ging noch ein fettes z'nacht einkaufen. Irgendwann begann es zu regnen und es wurde so kalt, dass ich mit meinem Buch in die Küche ging und neben einer heissen Tasse Tee zuerst den Backofen auf 250° und dann mit geöffneter Backofentür die Küche auf 25° vorheizte. Summerfeeling pur, trotz Regen.
Plötzlich klopfte es an der Wohnungstür. Man muss wissen, dass es gleich nach dem kleinen Eingangsbereich der Wohnungstür links zur Küche geht. Ich ging nicht öffnen, Besuch erwartete ich erst in 10 Tagen und als Schweizer ist man meistens überpünktlich. Es klopfte noch einmal. Aus dem Küchenfenster sah ich zwei Gestalten vor der Tür, jung und verregnet. Erster Gedanke: Die suchen ein Zimmer.
Die Tür öffnend sah ich eine junge Frau und einen jungen Mann, einer wie ich es bin und sie fragten mich, ob Evil Liz vielleicht zugegen war. War sie nicht, zumindest nicht bei mir und ich fragte sie umgekehrt, was sie denn wollten. Wie der Zufall so spielt, waren sie meine Nachbarn, am Samstag eingezogen und ich bat sie, in anbetracht des Spukes, welcher sich in diesem Haus abspielte, kurz zu mir in die (zugegebenermassen) sehr warmen Küche. Zwei Franzosen (aus Annecy, resp. von der Uni Grenoble) und meine erste Frage an sie war, ob sie es denn nicht auch als ziemlich 'bizarre' empfinden würde, was in diesem Haus geschieht. Aï, das war ein Volltreffer, wir verstanden uns prächtig und sie erzählten mir ihre Geschichte und ich die meine und so haben wir nach einer Portion Fajitas und einer Folge 'Dr.House' in ihrer Wohnung gleich Freundschaft geschlossen. Bizarre sind das Haus, Quasimodo, Evil Liz und die vielen Alarmanlagen zwar immer noch, doch zu Dritt ist es irgendwie auszuhalten. Affaire à Suivre.
FRAGE DER WOCHE: Was meint ihr, was Evil Liz zu verstecken hat? Wer ist der Kerl mit der grünen Kapuzenjacke?
Übrigens: Auf Anraten der beiden Franzosen habe ich die Eingangstür trotz Befehl von Evil Liz mit Schloss und Riegel gestern Abend abgesperrt. Heute morgen um 05.00 (der Montag scheint nicht sein Ding zu sein) hörte ich dann jemanden an der Tür und kurz darauf wieder die Schritte über meiner Decke - später erhielt ich dann auch eine Message von Evil Liz, ich solle die Tür gefälligst nicht so verriegeln. Doch ich sage euch, ich werde es auch heute Abend wieder tun. :)
Man muss sich das Haus so vorstellen: es ist in einem ruhigen Quartier,doch nahe einer Schnellstrasse, ein bisschen auf einem Hügel und müsste mal frisch gestrichen werden. Rund herum hats, obwohl ich noch nie hinter dem Haus war, viel Gestrüpp und es sieht eher wie bei Dornröschen aus, als wie bei Prinzessin Madleine vor dem Schloss. Kommt man unten durch den vermutlich weissen Gartenzaun, gibts gleich eine Gartentreppe nach oben, welche zu den drei potentiellen Hauseingängen führt. Der Eingang zur Wohnung wo ich wohne, ist der Unweiteste zur Gartentreppe.
Meine Vermieterin wohnt vermutlich auch in diesem Haus, genauer gesagt in einer Wohnung über meiner Wohnung, so genau weiss ich das nicht. Ebenfalls wohnt noch jemand anderes in der Wohnung meiner Vermieterin, aber wer das sein könnte.. den Schritten und den unverständlichen Worten muss es sich um ein männliches Wesen handeln. Aussen wie in der Wohnung, in der ich lebe, hat es diverse Türen, die verschlossen sind und bei welchen ich keine Ahnung habe, wohin sie führen. Einen Schlüssel für die Wohnungstür hab ich, fürs Zimmer wollte sie mir keinen geben, "solange keine andere, zusätzliche Person mit mir die Wohnung teile".
Nun, in meiner Wohnung ist es zudem (wie erwähnt) ziemlich kalt und gleich bei der Ankunft musste ich auch bemerken, das die Toilette nach dem Betätigen des selbstgebastelten Spühlhebels nicht automatisch den Spühlkasten schliesst und entsprechend das Wasser nur so den Bach runter läuft. Auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, meinte die Vermieterin (nennen wir sie doch Evil Liz), sie hätte den Plumber bereits bestellt, am Freitagnachmittag werde das repariert. Super.
Freitags war ich am Nachmittag auf Stadtbummel, am Abend blieb ich zu Hause und las in einem Buch, dass ich mir bei Ahlens im Stadtzentrum gekauft habe. Die Toilette, sie ist gleich neben meinem Zimmer, war zu diesem Zeitpunkt nicht geflickt, gestört hat mich das aber irgendwie auch nicht, weil der selbstgebastelte Spühlhebel tat mit ein bisschen Übung auch seinen Dienst. So gegen Mitternacht, glaub ich, bin ich dann eingepennt. - 1 Stunde - 2 Stunden - 3 Stunden - Um 4.00 morgens rumpelt es in der Wohnung: Schritte, Werkzeuge, hie und da ein Keuchen. Der Boden wie die Wände sind so dünn, dass man jeden Schritt durchs Holz knarren hört; ich habe gesehen, dass selbst die Mäuse noch Gummisohlen anziehen, um unentdeckt zu bleiben, nicht zu erwähnen, dass sie untereinander nur flüstern.
Nun war ich wach. Hellwach und ich wusste, dass da einer im Badezimmer seinen Unfug trieb. Einfach so kam er aber sicher nicht rein, die Vermieterin hat an jedem Fenster und an jeder Tür diese batteriebetriebenen Alarmdinger installiert, keine Chance ungehört einzubrechen. Mir war klar, dass er einen Schlüssel hatte. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber morgens um 4 eine WC-Schüssel zu reparieren, fand ich doch ein bisschen schräg. Also machte ich mich auf und ging in den Gang. Draussen vor meiner Tür kniete ein Mann mit grüner Skijacke auf dem Boden, um sich herum ein paar Werkzeuge verstreut und die Kapuze der Jacke tief ins Gesicht gezogen, damit ich ihn ja-nicht sehen konnte. Mein "hej" beantwortete er mit einem unverständlichen und kurzen Grummeln und irritiert wie ich war, lief ich zuerst mal in die Küche. Nach einem halben Glas Wasser und kurzer Bedenkzeit ging ich zurück und fragte, ob ich denn etwas Helfen könnte (da ich schon wach war, fand ich dieses Angebot mehr als angebracht), doch auch hier war die Antwort ein zwar diesmal etwas längeres Grummeln, jedoch ohne Gesicht und ohne grössere Konversation. Seine Hand zeigte unmissverständlich, dass er die Lage selbst im Griff hätte.
Zurüch in meine Zimmer fand ich das natürlich jetzt gar nicht mehr so lustig. Ich meine, dass einer morgens um 4 noch herumwerkelt, ging noch, dass er sein Gesicht nicht zeigen wollte, fand ich äusserst suspekt und war Grund genug, dem Schlaf noch ein Weilchen fern zu bleiben. Es blieben mir zwei Varianten: Entweder ist er der meistgesuchteste Kriminelle Schwedens, der sich in unserem Haus versteckt, oder es ist der Bruder von Quasimodo, weshalb er sein Gesicht nur an Familienfeiern zu erkennen gibt.
Ein paar SMS in die Runde brachten irgendwie nicht den gewünschten Effekt, waren um 04.30 doch eigentlich alle noch am Schlafen. Doch plötzlich besann ich mich, dass Freund Moritz in Singapur ja 6 Stunden voraus war und Freund Yves meist das Handy angestellt liess, da er sowieso noch was fürs Geschäft erledigen musste. Es waren denn auch wirklich die Beiden, die geantwortet haben. Wir kamen durch zahlreiche SMS übereins, dass die Polizei wohl nicht wirklich zu holen ist, soweit war der Kerl draussen ja auch nur die Toilette am reparieren. Mein Zimmer jedoch stand ab diesem Zeitpunkt unter Alarmzustand.
So gegen 06.00 war der Spuk vorbei und der Kerl war weg. Ich ging nach draussen und musste verdutzt feststellen, dass gar nix verändert wurde. Nix geflickt! Nun war's genug. Kurz mit Moritz abgesprochen, lief ich die 150m zur nächsten Bahnhaltestelle und wählte übers Handy 112. Die Notrufnummer in Schweden ist für alles gut, ob man nun die Feuerwehr, die dargebotene Hand, die Polizei oder wie ich, die Geisterjäger brauchte. Der sehr freundliche Herr am anderen Ende meinte, nach Schilderung meiner Lage (ich meine, ich habe ihm auch gesagt, dass ich vermutlich obdachlos bin, wenn sie mit einem Grossaufgebot ein Haus stürmen, wo ich nur Untermieter bin) meinte er, ein Rapport müsse dann wohl reichen, beim nächsten Mal solle ich die Polizei rufen, wenn der Kerl noch im Hause isei.
Samstagnachmittag habe ich dann durch ein Kurzmitteilung Evil Liz klar gemacht, dass ich solche Aktionen nicht sonderlich toll finden würde. Ihre Antwort war kurz und klar: ich sei undankbar, schliesslich seien die Arbeiten ja zu meinen Gunsten ausgeführt worden. Aha! Bitte entschuldigen Sie! >> Dumme Kuh....
Samstagabend war dann ganz gemütlich. Helena, momentan Austauschstudentin in Fribourg doch an diesem Wochenende wegen Onkelgeburtstag in Stockholm, nahm mich zu einem Sushi-Essen mit und danach lernte ich noch ein paar Bars und Clubs kennen. Die einen näher, die anderen aus der Ferne. So gegen Viertel vor Vier war ich dann zu Hause und im Bett. Kaum 45Minuten geschlafen, kam der laute Quasimodo wieder (ok, diesmal kam er 30 Minuten später als in der Nacht zuvor, aber wer von uns schläft am Sonntag nicht auch gerne mal ein bisschen länger). Also, der Laute kam. Ich meine, ich hatte schon das eine oder andere Bier, aber auch nicht sooo viel, dass ich das Austauschen einer ganzen WC-Schüssel um morgens um halb 5 nicht mitkriegen würde!! Doch auch diesmal habe ich die Polizei nicht gerufen und auch diesmal war er um 6.00 wieder weg. Der Sonntag begann.
Mir war es dann irgendwie zu blöd, Evil Liz nochmals eine SMS zu schicken, obwohl die Toilette noch nicht ganz fertig repariert / installiert war. Ich verbrachte den Sonntagnachmittag mit Lesen und ging noch ein fettes z'nacht einkaufen. Irgendwann begann es zu regnen und es wurde so kalt, dass ich mit meinem Buch in die Küche ging und neben einer heissen Tasse Tee zuerst den Backofen auf 250° und dann mit geöffneter Backofentür die Küche auf 25° vorheizte. Summerfeeling pur, trotz Regen.
Plötzlich klopfte es an der Wohnungstür. Man muss wissen, dass es gleich nach dem kleinen Eingangsbereich der Wohnungstür links zur Küche geht. Ich ging nicht öffnen, Besuch erwartete ich erst in 10 Tagen und als Schweizer ist man meistens überpünktlich. Es klopfte noch einmal. Aus dem Küchenfenster sah ich zwei Gestalten vor der Tür, jung und verregnet. Erster Gedanke: Die suchen ein Zimmer.
Die Tür öffnend sah ich eine junge Frau und einen jungen Mann, einer wie ich es bin und sie fragten mich, ob Evil Liz vielleicht zugegen war. War sie nicht, zumindest nicht bei mir und ich fragte sie umgekehrt, was sie denn wollten. Wie der Zufall so spielt, waren sie meine Nachbarn, am Samstag eingezogen und ich bat sie, in anbetracht des Spukes, welcher sich in diesem Haus abspielte, kurz zu mir in die (zugegebenermassen) sehr warmen Küche. Zwei Franzosen (aus Annecy, resp. von der Uni Grenoble) und meine erste Frage an sie war, ob sie es denn nicht auch als ziemlich 'bizarre' empfinden würde, was in diesem Haus geschieht. Aï, das war ein Volltreffer, wir verstanden uns prächtig und sie erzählten mir ihre Geschichte und ich die meine und so haben wir nach einer Portion Fajitas und einer Folge 'Dr.House' in ihrer Wohnung gleich Freundschaft geschlossen. Bizarre sind das Haus, Quasimodo, Evil Liz und die vielen Alarmanlagen zwar immer noch, doch zu Dritt ist es irgendwie auszuhalten. Affaire à Suivre.
FRAGE DER WOCHE: Was meint ihr, was Evil Liz zu verstecken hat? Wer ist der Kerl mit der grünen Kapuzenjacke?
Übrigens: Auf Anraten der beiden Franzosen habe ich die Eingangstür trotz Befehl von Evil Liz mit Schloss und Riegel gestern Abend abgesperrt. Heute morgen um 05.00 (der Montag scheint nicht sein Ding zu sein) hörte ich dann jemanden an der Tür und kurz darauf wieder die Schritte über meiner Decke - später erhielt ich dann auch eine Message von Evil Liz, ich solle die Tür gefälligst nicht so verriegeln. Doch ich sage euch, ich werde es auch heute Abend wieder tun. :)
Donnerstag, 3. April 2008
Ankunft
Nun, ich muss sagen, dass ich mir mal geschworen habe, nie mehr mit Swiss zu fliegen. Gebucht habe ich den Flug nach Stockholm zwar über SAS, doch mit Code Share und Star Alliance landete ich schlussendlich bei einem Flug von Swiss.
Die Eincheck-Odissee, über die ich hier berichte, fing mit meiner Sorglosigkeit an. Es war morgens um 5 als ich aufgestanden bin, draussen hats geregnet weshalb ich gleich entschied, ein Taxi zu rufen. Pünktlich am Flughafen (es war ca. 05.40 und mein Flug sollte nach Plan um 06.50 den Boden verlassen) ging ich gleich zur dieser netten Dame am Check-In. Bereits hatte ich an diesen Automaten mein Sitz gebucht, mein Ticket gedruckt und meine Gepäck-Zettel vorschriftsgemäss an meinem Koffer und meiner Sporttasche angebracht. Soweit so gut.
Einmal bei der Dame, mussten ich und sie feststellen, dass ich mit 33kg ein bisschen zu viel Gepäck dabei hatte. Meine Überzeugungsarbeit, ich sei sonst ein Schlanker, half nichts, ich musste einen Preiszuschlag bezahlen. Ich willigte ein, ohne nach dem Preis zu fragen, zu müde war ich und sie hat's irgendwie auch verpasst. Sie drückte auf den Knopf und mein Gepäck ging in die Tiefen des Zürcher Flughafens.
Nun, Dame 1 konnte leider kein Geld einkassieren, ich musste zu einem anderen Schalter (zu Dame 2). Da traf mich dann der Schlag: 300.- für 12 kg Übergewicht, das war mir zu viel. Ich sagte, dass ich das nicht bezahlen werde und könne und Dame 2 meinte, dann könne ich mein Gepäck halt nicht aufgeben. Auf meinen Hinweis, mein Gepäck sei bereits 'durch' reagierte sie sichtlich ungläubig und sie bestelle Dame 1 an ihr Pult. Sie berieten nun und meinten, dass sie mein Gepäck dann halt wieder suchen lassen werden. Ich meinte dann, dass der Koffer ganz sicher mitmüsse, über die Sporttasche liesse sich diskutieren. So kam es, dass ich in die Ankunftshalle musste, um beim Luggage-Drop meine Tasche suchen musste um ihr die nötigen Kilos zu entnehmen. Als Sicherheit beschlagnahmten die beiden Damen meinen Boardingpass. [Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass ich 1. gereizt war und 2. mir die Zeit davon lief.] So gegen 06.20, nachdem ich rund 30 Min. an die Scheibe des Zolls (man kommt nicht einfach so in die Ankunftshalle) pöpperlete und die dafür vorgesehene Klingel bediente, öffnete eine andere Dame (3) -erneut völlig ungläubig - die Tür und fragte, was ich denn wolle. Kurz erläutert, rollte sie die Augen und meinte, dass das eigentlich nicht gehe, sie aber eine Ausnahme machen würde, da ja bereits das Boarding für meinen Flug begonnen hätte. Ich hatte meine Tasche, öffnete sie und wand dann den allseits beliebten Eskimo-Trick an. Einfach Hosen-, Jacken- und Manteltaschen mit Kleidern füllen und dann ging ich mit der jetzt leichtern Tasche erneut zum Check-In. Jetzt war es etwa halb 7.
Nun, weder Dame 1 noch Dame 2 waren zugegen und so sprach ich mit Dame 4. Die wog meine Tasche und meinte, dass sie meine Aufregung nicht verstehen könne, 7kg seien nie zuviel. Nun schaute ich ungläubig, leicht rätselnd ob ich noch schnell ein paar Sachen wieder in die Tasche stopfen soll?! Keine Zeit: ich mich solle mich beeilen, meinte Dame 4, das Gate schliesse in 10 Minuten. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich ja meinen Boardingpass noch ergaunern musste. Dame 4 war aber sehr unkompliziert und stellte mir kurzerhand einen Neuen aus, worauf ich micht mit 15kg Kleidern zur Passkontrolle aufmachte. Völlig ausser Atem.
Die Passkontrolle ging ganz schnell, doch dann der Security Check. Während ich beim Check-In noch die knappe Zeit erwähnen konnte, half hier gar nichts. Wer so viele Kleider an hat, der hat auch was zu verbergen. Ein seelenruhiger, netter Herr nahm sich so Tasche für Tasche und Jacke für Jacke vor und nutzte seinen Magnetstab an allen möglichen und unmöglichen Orten (blieb aber immer fair.. keine dummen Gedanken bitte).
Haha, nun war ich durch! Am Gate angekommen, war natürlich das Zeugs schon zu, der Bus war weg. Nette Dame 5 und nette Dame 6 beruhigten mich, riefen so gleich einen Shuttle-Bus und meinten, dass der Flieger warten werde. Erleichtert konnte ich um 06.48 ins Flugzeug steigen, mir meinen Platz aussuchen und die Füsse hochlagern, denn es waren höchsten 20 Personen in diesem 100-Pläze-Vogel.
Jetzt bin ich in Stockholm. All mein Gepäck schleppte ich nach Stocksund, im Norden der Stadt, quasi das Villars-Sur-Glâne hier. Ein bisschen ausserhalb, aber gut erreichbar. Im Zimmer, dass mir die geldgierige Landlady vermietet, waren (und sind glaub ich immer noch) 14°, auch im Badezimmer.. ein schönes Duscherlebnis war das. Mein Notebook ging in der ganzen Hektik wohl auch kaputt, rien ne va plus, somit auch kein Internet.
Genau aus diesem Grunde ging ich jetzt in die Innenstadt, nicht etwa in ein Internet-Kaffee, sondern benutzte ds'Lüti der Schweizer Botschaft. Der Empfangsherr gewährte mir Einlass und jetzt bin ich hier, in einer so super-sympatischen Umgebung, wie ich es mir nicht im Traum vorgestellt hätte. Gerade kamen Botschafter und Botschaftsrat, sowie Kanzlerin und hiessen mich willkommen. Mein Einzelbüro konnte ich auch schon beziehen und somit bin ich auf die Aufgaben gespannt, die mir zugeteilt werden. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Die Eincheck-Odissee, über die ich hier berichte, fing mit meiner Sorglosigkeit an. Es war morgens um 5 als ich aufgestanden bin, draussen hats geregnet weshalb ich gleich entschied, ein Taxi zu rufen. Pünktlich am Flughafen (es war ca. 05.40 und mein Flug sollte nach Plan um 06.50 den Boden verlassen) ging ich gleich zur dieser netten Dame am Check-In. Bereits hatte ich an diesen Automaten mein Sitz gebucht, mein Ticket gedruckt und meine Gepäck-Zettel vorschriftsgemäss an meinem Koffer und meiner Sporttasche angebracht. Soweit so gut.
Einmal bei der Dame, mussten ich und sie feststellen, dass ich mit 33kg ein bisschen zu viel Gepäck dabei hatte. Meine Überzeugungsarbeit, ich sei sonst ein Schlanker, half nichts, ich musste einen Preiszuschlag bezahlen. Ich willigte ein, ohne nach dem Preis zu fragen, zu müde war ich und sie hat's irgendwie auch verpasst. Sie drückte auf den Knopf und mein Gepäck ging in die Tiefen des Zürcher Flughafens.
Nun, Dame 1 konnte leider kein Geld einkassieren, ich musste zu einem anderen Schalter (zu Dame 2). Da traf mich dann der Schlag: 300.- für 12 kg Übergewicht, das war mir zu viel. Ich sagte, dass ich das nicht bezahlen werde und könne und Dame 2 meinte, dann könne ich mein Gepäck halt nicht aufgeben. Auf meinen Hinweis, mein Gepäck sei bereits 'durch' reagierte sie sichtlich ungläubig und sie bestelle Dame 1 an ihr Pult. Sie berieten nun und meinten, dass sie mein Gepäck dann halt wieder suchen lassen werden. Ich meinte dann, dass der Koffer ganz sicher mitmüsse, über die Sporttasche liesse sich diskutieren. So kam es, dass ich in die Ankunftshalle musste, um beim Luggage-Drop meine Tasche suchen musste um ihr die nötigen Kilos zu entnehmen. Als Sicherheit beschlagnahmten die beiden Damen meinen Boardingpass. [Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass ich 1. gereizt war und 2. mir die Zeit davon lief.] So gegen 06.20, nachdem ich rund 30 Min. an die Scheibe des Zolls (man kommt nicht einfach so in die Ankunftshalle) pöpperlete und die dafür vorgesehene Klingel bediente, öffnete eine andere Dame (3) -erneut völlig ungläubig - die Tür und fragte, was ich denn wolle. Kurz erläutert, rollte sie die Augen und meinte, dass das eigentlich nicht gehe, sie aber eine Ausnahme machen würde, da ja bereits das Boarding für meinen Flug begonnen hätte. Ich hatte meine Tasche, öffnete sie und wand dann den allseits beliebten Eskimo-Trick an. Einfach Hosen-, Jacken- und Manteltaschen mit Kleidern füllen und dann ging ich mit der jetzt leichtern Tasche erneut zum Check-In. Jetzt war es etwa halb 7.
Nun, weder Dame 1 noch Dame 2 waren zugegen und so sprach ich mit Dame 4. Die wog meine Tasche und meinte, dass sie meine Aufregung nicht verstehen könne, 7kg seien nie zuviel. Nun schaute ich ungläubig, leicht rätselnd ob ich noch schnell ein paar Sachen wieder in die Tasche stopfen soll?! Keine Zeit: ich mich solle mich beeilen, meinte Dame 4, das Gate schliesse in 10 Minuten. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich ja meinen Boardingpass noch ergaunern musste. Dame 4 war aber sehr unkompliziert und stellte mir kurzerhand einen Neuen aus, worauf ich micht mit 15kg Kleidern zur Passkontrolle aufmachte. Völlig ausser Atem.
Die Passkontrolle ging ganz schnell, doch dann der Security Check. Während ich beim Check-In noch die knappe Zeit erwähnen konnte, half hier gar nichts. Wer so viele Kleider an hat, der hat auch was zu verbergen. Ein seelenruhiger, netter Herr nahm sich so Tasche für Tasche und Jacke für Jacke vor und nutzte seinen Magnetstab an allen möglichen und unmöglichen Orten (blieb aber immer fair.. keine dummen Gedanken bitte).
Haha, nun war ich durch! Am Gate angekommen, war natürlich das Zeugs schon zu, der Bus war weg. Nette Dame 5 und nette Dame 6 beruhigten mich, riefen so gleich einen Shuttle-Bus und meinten, dass der Flieger warten werde. Erleichtert konnte ich um 06.48 ins Flugzeug steigen, mir meinen Platz aussuchen und die Füsse hochlagern, denn es waren höchsten 20 Personen in diesem 100-Pläze-Vogel.
Jetzt bin ich in Stockholm. All mein Gepäck schleppte ich nach Stocksund, im Norden der Stadt, quasi das Villars-Sur-Glâne hier. Ein bisschen ausserhalb, aber gut erreichbar. Im Zimmer, dass mir die geldgierige Landlady vermietet, waren (und sind glaub ich immer noch) 14°, auch im Badezimmer.. ein schönes Duscherlebnis war das. Mein Notebook ging in der ganzen Hektik wohl auch kaputt, rien ne va plus, somit auch kein Internet.
Genau aus diesem Grunde ging ich jetzt in die Innenstadt, nicht etwa in ein Internet-Kaffee, sondern benutzte ds'Lüti der Schweizer Botschaft. Der Empfangsherr gewährte mir Einlass und jetzt bin ich hier, in einer so super-sympatischen Umgebung, wie ich es mir nicht im Traum vorgestellt hätte. Gerade kamen Botschafter und Botschaftsrat, sowie Kanzlerin und hiessen mich willkommen. Mein Einzelbüro konnte ich auch schon beziehen und somit bin ich auf die Aufgaben gespannt, die mir zugeteilt werden. Ich halte euch auf dem Laufenden.
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