Nun, klar dauert es immer ein bisschen, bis ich was schreibe! Grund dafür ist einerseits die Muse, die mich nicht jeden Tag zu küssen pflegt, andererseits geschieht auch nicht immer so viel, dass es für einen ganzen Eintrag reicht. Kann aber auch sein, dass ich mich schon dermassen gut eingelebt habe, dass ich vieles nicht mehr als Speziell oder Nennenswert betrachte.
Wie im vorherigen Post bereits beschrieben, lebe ich jetzt in einer Wohnung in Solna, zusammen mit zwei Kirgisen, Nurik und Ulan. Eigentlich, wenn ich es mir genau überlege, ist es gar keine Wohnung sondern eher eine Jurte, also diese traditionelle Behausung in West- und Zentralasien. Zwar ist die Wohnung nicht aus Stroh und Lehm, aber der Platz ist durchaus beschränkt und würde man Päddu Stirnimann fragen, dann schläft es sich auch gar nicht so schlecht auf dem Boden. Auch sonst ist es eine Jurte. Nebst den bereits angesprochenen kulinarischen Fähigkeiten meiner Zimmergenossen kommt es auch gerne mal vor, dass man gemeinsam vor dem Fernseher sitzt, auf dem Boden natürlich, weil es Stühle keine gibt. Wie es in einer Jurte üblich ist, wird auch immer zu viel gekocht, um eventuelle Gäste gleich mitverpflegen zu können. Wenn ich dann spätabends nach Hause komme und eigentlich keinen Hunger mehr habe, weil schon gegessen, wird mir unter stiller Androhung des Freundschaftsentzugs dennoch ein Teller hingestellt und gleich darüber hinaus noch ein Glas, oder besser gesagt ein Becher kirgisischer Cognac eingeschenkt. Das nenn ich dann nicht mehr Gastfreundschaft, sondern Mastbetrieb, aber es ist ja nur gut gemeint und ich lerne einiges über die Kultur der Zentralasiaten und Nurik, der eigentliche Chefunterhändler bei uns im Haushalt, meinte auch mal beiläufig, dass ich mich in der kirgisischen Kultur fast sicher gut zurecht finden und es mir dort bestimmt gefallen würde. Nur ein Schelm behauptet jetzt, dass die nachfolgend erwähnte jüngere Schwester von ihm nicht rein zufällig genannt wurde. Ihr könnt also beruhigt feststellen, dass man sich um mich sorgt.
Die letzten zwei Weekends waren immer mit Besuch aus der Schweiz ausgefüllt und ich glaube, dass die eine oder andere Stockholmer Bar, das eine oder andere Stockholmer Restaurant, ein paar gute Zahlen ende Monat ausweisen wird. Sowieso ist das Nachtleben hier im hohen Norden eine relativ teure Angelegenheit, mit 10.- pro Bier oder 35.- für ein Long Island Icetea muss das Bankkonto erdbebensicher und prall gefüllt in der Schweiz schlummern. Wenn auch meine Raiffeisenbank in Wünnewil auf sicherem Boden steht und kaum die Gefahr einer akuten Schüttelattacke zu befürchten ist, so happert es dennoch mit dem "prall gefüllt sein". Nurik, umsichtig wie er ist, hat mir bereits angeboten, ein gutes Wort bei seiner Arbeitgeberin einzulegen, damit auch ich die Morgenzeitungen von 01.00 in der früh bis um 04.00 verteilen darf. Dankend habe ich abgelehnt und freue mich auf den ersten grossen Lohn ende Juli.
Ganz zum Schluss des letzten Eintrags habe ich ja auch noch angetönt, dass ich mit dem Anlass in Malmö noch meine alte Universitätsstadt in Lund besuchen wollte. Das habe ich auch gemacht und es war bei 25° C im Schatten ein helles Vergnügen. Leider hat es für Copenhagen nicht mehr gereicht, aber ich war ja schon da und werde dann ein andermal wieder dort zu Besuch sein. Wenn man so viel auf Reisen ist, im Zug notabene, trifft man auf allerhand Leute und könnte ganze Bücher über das Verhalten verschiedenster Typen und Lebensweisen schreiben. So war einst neben mir ein alter, voll tätowierter Däne, der sich immerhin mit fünf Halbliterdosen Bier und gelegentlichem Schluckauf die Fahrt verschönerte. Da war eine gestresste junge Mutter auf der Strecke von Göteborg nach Stockholm, die sich ihre Nachkommen im halben Zug zusammensuchen musste. Oder da war diese alte Dame und ihr Handy. So geschehen im Zug von Malmö zurück nach Stockholm, eine 5-stündige Reise und somit hatte es etliche Passagiere, die es sich im Sitz gemütlich machten und versuchten zu schlafen. Doch mit dieser alten Dame 2 Sitzreihen diagonal vor mir hat niemand gerechnet. Rechts neben dem Sitz hatte sie eine schöne weisse Lederhandtasche mit Reissverschluss und auf dem Schoss ein paar Hefte über den Garten oder so, ganz genau hab ich das nicht gesehen. Und plötzlich, ja plötzlich trällert es aus der Tasche, als wäre gerade das Hunnische Symphonieorchester mit einer rassigen Polka zu Pferd in den Waggon hineingestürmt. Der arme Kerl in der Sitzreihe neben der Dame bekam wohl den Schock des Lebens und dass er sich nicht instinktiv auf den Boden warf, verdankte er wahrscheinlich den relativ engen Platzverhältnissen in so einem Waggon. Verübelt hätte ich es ihm nicht. Auch muss ich wohl nicht erwähnen, dass die Schlafsuchenden dem eigentlichen Ziel alles andere als nah waren.
Und die Dame? Nun, die alte Dame mit ihren Heftchen reagierte zuerst einmal nicht. Dann, so nach 10 Sekunden realisierte sie die Musik und machte ein Gesicht, als hätte es an diesem schönen Sommertag plötzlich angefangen zu regnen. Griff nach rechts zur Tasche um erstmals den ganzen Sack auf den Schoss zu legen. Reissverschluss auf, ramsch, ramsch, ramsch, ramsch und plötzlich hatte sie ihr trällerndes Hunnenorchester auf dem Schoss und schaute es ganz lange, ganz böse an. Nach eingehender Untersuchung des Umstandes fand sie dann doch noch den Knopf zur Annahme des Gesprächs und sprach ein paar wenige, unverständliche Worte, bevor sie sich wieder mir nichts, dir nichts, der Gartenzeitschrift widmete. Ein kurzer aber heftiger Spuk und bald einmal nahmen die sichtlich irritierten Mitreisenden erneuten Anlauf, die Zugstrecke schlafend hintersich zu bringen.. dieser Anblick war eine einmalige Szenerie und der Gedanke daran bringt mich heute noch zum Schmunzeln. :)
Zurück in Stockholm war ich an diesem Abend noch mit den Leuten aus dem Evil Liz Haus unterwegs. Dort geht alles seinen gewohnten Lauf. So hat Evil Liz nun Thomas beschuldigt, er versuche sie zu vergiften und wie mir gestern mitgeteilt wurde, hält sie sich auch öfters in seinem Zimmer auf und durchwühlt seine Sachen. Da Thomas noch ganze 10 Monate bleibt (aber ab Juni eine andere, eigene Wohnung hat), werden wir einen Weg suchen, ihr die Hölle so heiss wie möglich zu machen. Wer gute Ideen hat, darf sich sehr gerne bei mir melden.
Aja, das hätte ich fast vergessen: Die Tiroler-Party war der Hammer! Knödel und Österreichischen Wein, Bier und Wurst und so zwei singende Almdudler brachten die Leute ziemlich in Schwung. Thomas Ravelli, der ehem. Schwedische Nationaltorhüter wurde mir vorgestellt (naja, der kannte mich vermutlich schon 10 Sekunden später nicht mehr), oder auch sonst noch so ein paar Typen aus Sport und Politik. Knödelprominenz, würden wir dem wahrscheinlich sagen, in Anlehnung an die Schweizerische Cervelat.
Sowieso trifft sich die halbe Welt in Stockholm, ein paar Niederländer, Deutsche oder gar eine aus Vancouver habe ich kennegelernt und gerade hat mir Marcus, ein Arbeitskollege, gesagt, dass Roman Abramovich mit seinem Schlauchboot in Södermalm angelegt hat. Das ist immerhin mit 114.50 Meter Länge, zwei Helikopterlandeplätzen und weiss-nicht-wie-vielen Luxuszimmern und Sälen die grösste, je gebaute Yacht der Welt. Werde vielleicht heute Nachmittag mal vorbeigehen und ihm die besten Grüsse aus der Schweiz bestellen.
So, wie ihr merkt, habe ich nicht wirklich viel zu erzählen und ich denke, dass in 2 Wochen, wenn unsere grossen EM-Events durch sind, es vielleicht mehr Gesprächsstoff zur Arbeit oder so geben wird. Ich hoffe, dass ihr euch bis dahin gedulden könnt und möchte mich an dieser Stelle für die vielen netten Kommentare bedanken - es macht 10 Mal mehr Spass zu schreiben, wenn man weiss, dass es auch gelesen wird.
Dienstag, 27. Mai 2008
Freitag, 9. Mai 2008
Das Privileg.
Nun, ich wohne nicht unter der Brücke und muss mich auch in keinem horizontalen Gewerbe behaupten. Danke dennoch der besorgten Nachfrage.
Nach 2 Nächten im Hotel habe ich noch am Montagabend gegen 21.00 einen Anruf erhalten, wonach ich gefragt wurde, ob ich immer noch ein Zimmer suche und ob ich denn schnell vorbeikommen würde. Natürlich ging ich, irgendwie hatte ich auch keine andere Wahl.
Die Wohnung befand sich in Solna, eine Gemeinde wie sie etwa Marly ist, gut erschlossen und dennoch ein bisschen ausserhalb des Stadtzentrums und entsprechend gibt es (sehr) viele Arbeiter die jeden morgen von dort aus in die weite Welt hinauspendeln. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin jetzt auch einer von denen.
Es begrüssten mich 2 junge (23 und 24) Studenten, namens Nurik und Ulan, beide aus Kirgisistan und wirklich cool drauf. Bereits am Dienstag konnte ich dann einziehen und nachdem ich durch Wikipedia zum kirgisischen Insider wurde, wusste ich auch, dass ich ab sofort mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% mit Muslimen zusammenleben werde, oder das meine Zimmergenossen in ihrem Land nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4% in der Nähe eines Waldes leben. Der Schinken und das Bier, welches gleich am ersten Abend als Willkommensessen serviert wurden, liessen mich zwar kurzzeitig von der Idee abkommen, dass ich es hier mit muslimisch Gläubigen zu tun hatte, doch versicherten die zwei lustigen Kerle mir, dass sie sehr wohl muslimisch seien, nur mit dem "gläubig" happere es ein bisschen. Schwein gehabt, kann man da nur sagen und das meine ich ausschliesslich wortwörtlich.
Mein Zimmer dort ist eigentlich das Wohnzimmer, wobei es nur durch eine Sichtwand von der Küche getrennt ist. So kommt es vor, dass mich der Kühlschrank in den Schlaf summt oder der übriggebliebene Geruch aus der Steak-Pfanne mich mit Düften aus den Untiefen der kirgisischen Kochkunst umnebelt, währenddem ich im Bett liege. Mmmmmhm, sag ich da nur, und bedauere es ein bisschen, dass ich nicht mit Paul Bocuse zusammenlebe. Nurik und Ulan schlafen dann im eigentlichen Zimmer in einer Art Doppelbett, so wie sie's seit 3 Jahren täten. Grmbl, möchte man da sagen, doch auch hier gibt es ein klares Statement: "Weisst Du", meinte Nurik noch am gleichen Abend zu mir, "seit 3 Jahren teilen wir uns alles, bis auf die Girls. Nur dass Du's weisst." In dieser Hinsicht wurde mir auch klar, wieso sie noch einen 3. Mitbewohner für eine 2-Zimmer-Wohnung suchten. Mit meiner Miete von rund 3'000:- wage ich zu behaupten, dass ich wohl 60% bis 70% der Kosten der Miete übernehme, haben die Zwei wohl nicht wirklich ausreichend Geld im teuren Schweden.
Dennoch, es passt. Zehnmal besser als bei der Hexe, weil ich jetzt waschen kann, wann ich will, weil ich trotz den 60% rund 1000:- weniger Miete bezahle als vorher, weil die Leute umgänglich und für gemeinsames Kochen zu haben sind, weil der Mietvertrag über einen Handschlag ging. Ich darf also positiv gespannt sein, wie das noch weitergeht mit meinen WG-Gspänli.
Im Job war dies einmal mehr eine Hammerwoche. Während ich am Montag noch in erster Linie mit Wohnungssuche beschäftigt war, war ich am Dienstag bereits an einem Kurzmeeting mit dem Handelschef der Botschaft. Ein Storecheck für Schweden ist das Projekt und dies wird mich die nächsten paar Tage noch weiter beschäftigen. Am Mittwochnachmittag kam eine Schwedische Schulklasse in die Botschaft und ich habe ihnen (auf Deutsch, da sie Deutsch lernen sollen) die Schweizer Sportlandschaft näher gebracht. Natürlich durften da Östlund, Rhodin oder auch Karlberg nicht fehlen, umgekehrt berichtete ich ihnen über Martin Plüss bei Frölunda, oder Katrin Lehmann, die Ausnahmeathletin bei Solna und Hammarby.
Später am Abend war ich dann gegen 17 Uhr im Europäischen Radiostudio. Für den Tag der Sprachen im September wurden Aufzeichnungen der verschiedenen Sprachen gemacht, unter anderem auch Schweizerdeutsch. Zusammen mit der Tochter des Botschaftrates, welche vornehmlich Züridütsch spricht, haben wir dann einen (leider vorgegebenen) Dialog geführt. Leider deshalb, weil ich nur zu gern einmal "úfe häppereblätz ga chnüddere verfúngge"" über den Schwedischen Äter gesendet hätte. Aber naja, was will man machen, lustig hat sich die Züridüütsch-Frybürgertütsch-Kombo dennoch angehört.
Noch später an diesem hektischen Mittwoch war dann ein Abendessen, organisiert von Schweiz Tourismus und Wallis Tourismus. Eingeladen waren vor allem Key Account Kunden aus Schweden (also Tourimus-Büros, Journalisten) und diese liessen sich über die neusten Sachen von Saas Fee, Zermatt, Verbier, Leukerbad etc. informieren, wobei es sehr locker und vor allem informell zu und her ging. Diese Gelassenheit der Tourismus-Leute hat mich stark beeindruckt und ich habe nun ein paar sehr grosszügige Angebote, mal nach Zermatt oder Saas Fee zu gehen. Hört sich doch gut an, oder?
Nach dem leicht durchzechten Mittwochabend nahm mich der Botschaftsrat am Donnerstag mit ins Schwedische Aussenministerium, wo eine Vorinformation zur Irak-Konferenz, welche ende Mai stattfinden wird, abgehalten wurde. Lustig war da, als eine Person in breitem US-Slang eine Frage stellte, dann aber ihr Herkunftsland nicht preisgeben wollte. Ich glaube, selbst in einem Stummfilm hätte man sie eindeutig als Amerikanerin erkannt, aber was solls, Hauptsache sie konnte ein bisschen Paranoia verbreiten.
Am Abend zeigte dann unsere Schweizerische Botschaft am französischen Filmfestival hier in Stockholm einen Film aus Genf / Lausanne (Comme des Voleurs), wo es um einen identitätssuchenden, homosexuellen Lausanner geht, der mit seiner Schwester nach Polen reist, um dort die Lücke in der Familiengeschichte zu stopfen. Ein guter Film, fand ich, ziemlich witzig, wenn auch nicht typisch Schweiz. Musste er aber auch nicht sein!
Heute Abend ist in Stockholm ein "Event auf Einladung" der Österreicher (Innsbruck & Tirol) mitten in der Stadt, mit viel Pomp wurde das angekündigt. Mal schauen. Morgen gehe ich nun nach Malmö, erneut für Schweiz Tourismus und verbinde meinen Aufenthalt, Lund und ev. Kopenhagen zu besuchen. Eine Reise zurück in meine Erasmusstadt, seit langem wieder einmal. Ich bin gespannt.
Wie ein paar von euch wissen, werde ich hier oben ja nicht bezahlt. Doch die vielen Anlässe, die neuen Bekanntschaften, Erlebnisse, die vielen feinen Essen und der tiefe Einblick in die diplomatischen Arbeiten sind Lohn genug. Es ist zwar immer viel Arbeit, aber es ist schliesslich und endlich auch ein grosses Privileg.
Nach 2 Nächten im Hotel habe ich noch am Montagabend gegen 21.00 einen Anruf erhalten, wonach ich gefragt wurde, ob ich immer noch ein Zimmer suche und ob ich denn schnell vorbeikommen würde. Natürlich ging ich, irgendwie hatte ich auch keine andere Wahl.
Die Wohnung befand sich in Solna, eine Gemeinde wie sie etwa Marly ist, gut erschlossen und dennoch ein bisschen ausserhalb des Stadtzentrums und entsprechend gibt es (sehr) viele Arbeiter die jeden morgen von dort aus in die weite Welt hinauspendeln. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin jetzt auch einer von denen.
Es begrüssten mich 2 junge (23 und 24) Studenten, namens Nurik und Ulan, beide aus Kirgisistan und wirklich cool drauf. Bereits am Dienstag konnte ich dann einziehen und nachdem ich durch Wikipedia zum kirgisischen Insider wurde, wusste ich auch, dass ich ab sofort mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% mit Muslimen zusammenleben werde, oder das meine Zimmergenossen in ihrem Land nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4% in der Nähe eines Waldes leben. Der Schinken und das Bier, welches gleich am ersten Abend als Willkommensessen serviert wurden, liessen mich zwar kurzzeitig von der Idee abkommen, dass ich es hier mit muslimisch Gläubigen zu tun hatte, doch versicherten die zwei lustigen Kerle mir, dass sie sehr wohl muslimisch seien, nur mit dem "gläubig" happere es ein bisschen. Schwein gehabt, kann man da nur sagen und das meine ich ausschliesslich wortwörtlich.
Mein Zimmer dort ist eigentlich das Wohnzimmer, wobei es nur durch eine Sichtwand von der Küche getrennt ist. So kommt es vor, dass mich der Kühlschrank in den Schlaf summt oder der übriggebliebene Geruch aus der Steak-Pfanne mich mit Düften aus den Untiefen der kirgisischen Kochkunst umnebelt, währenddem ich im Bett liege. Mmmmmhm, sag ich da nur, und bedauere es ein bisschen, dass ich nicht mit Paul Bocuse zusammenlebe. Nurik und Ulan schlafen dann im eigentlichen Zimmer in einer Art Doppelbett, so wie sie's seit 3 Jahren täten. Grmbl, möchte man da sagen, doch auch hier gibt es ein klares Statement: "Weisst Du", meinte Nurik noch am gleichen Abend zu mir, "seit 3 Jahren teilen wir uns alles, bis auf die Girls. Nur dass Du's weisst." In dieser Hinsicht wurde mir auch klar, wieso sie noch einen 3. Mitbewohner für eine 2-Zimmer-Wohnung suchten. Mit meiner Miete von rund 3'000:- wage ich zu behaupten, dass ich wohl 60% bis 70% der Kosten der Miete übernehme, haben die Zwei wohl nicht wirklich ausreichend Geld im teuren Schweden.
Dennoch, es passt. Zehnmal besser als bei der Hexe, weil ich jetzt waschen kann, wann ich will, weil ich trotz den 60% rund 1000:- weniger Miete bezahle als vorher, weil die Leute umgänglich und für gemeinsames Kochen zu haben sind, weil der Mietvertrag über einen Handschlag ging. Ich darf also positiv gespannt sein, wie das noch weitergeht mit meinen WG-Gspänli.
Im Job war dies einmal mehr eine Hammerwoche. Während ich am Montag noch in erster Linie mit Wohnungssuche beschäftigt war, war ich am Dienstag bereits an einem Kurzmeeting mit dem Handelschef der Botschaft. Ein Storecheck für Schweden ist das Projekt und dies wird mich die nächsten paar Tage noch weiter beschäftigen. Am Mittwochnachmittag kam eine Schwedische Schulklasse in die Botschaft und ich habe ihnen (auf Deutsch, da sie Deutsch lernen sollen) die Schweizer Sportlandschaft näher gebracht. Natürlich durften da Östlund, Rhodin oder auch Karlberg nicht fehlen, umgekehrt berichtete ich ihnen über Martin Plüss bei Frölunda, oder Katrin Lehmann, die Ausnahmeathletin bei Solna und Hammarby.
Später am Abend war ich dann gegen 17 Uhr im Europäischen Radiostudio. Für den Tag der Sprachen im September wurden Aufzeichnungen der verschiedenen Sprachen gemacht, unter anderem auch Schweizerdeutsch. Zusammen mit der Tochter des Botschaftrates, welche vornehmlich Züridütsch spricht, haben wir dann einen (leider vorgegebenen) Dialog geführt. Leider deshalb, weil ich nur zu gern einmal "úfe häppereblätz ga chnüddere verfúngge"" über den Schwedischen Äter gesendet hätte. Aber naja, was will man machen, lustig hat sich die Züridüütsch-Frybürgertütsch-Kombo dennoch angehört.
Noch später an diesem hektischen Mittwoch war dann ein Abendessen, organisiert von Schweiz Tourismus und Wallis Tourismus. Eingeladen waren vor allem Key Account Kunden aus Schweden (also Tourimus-Büros, Journalisten) und diese liessen sich über die neusten Sachen von Saas Fee, Zermatt, Verbier, Leukerbad etc. informieren, wobei es sehr locker und vor allem informell zu und her ging. Diese Gelassenheit der Tourismus-Leute hat mich stark beeindruckt und ich habe nun ein paar sehr grosszügige Angebote, mal nach Zermatt oder Saas Fee zu gehen. Hört sich doch gut an, oder?
Nach dem leicht durchzechten Mittwochabend nahm mich der Botschaftsrat am Donnerstag mit ins Schwedische Aussenministerium, wo eine Vorinformation zur Irak-Konferenz, welche ende Mai stattfinden wird, abgehalten wurde. Lustig war da, als eine Person in breitem US-Slang eine Frage stellte, dann aber ihr Herkunftsland nicht preisgeben wollte. Ich glaube, selbst in einem Stummfilm hätte man sie eindeutig als Amerikanerin erkannt, aber was solls, Hauptsache sie konnte ein bisschen Paranoia verbreiten.
Am Abend zeigte dann unsere Schweizerische Botschaft am französischen Filmfestival hier in Stockholm einen Film aus Genf / Lausanne (Comme des Voleurs), wo es um einen identitätssuchenden, homosexuellen Lausanner geht, der mit seiner Schwester nach Polen reist, um dort die Lücke in der Familiengeschichte zu stopfen. Ein guter Film, fand ich, ziemlich witzig, wenn auch nicht typisch Schweiz. Musste er aber auch nicht sein!
Heute Abend ist in Stockholm ein "Event auf Einladung" der Österreicher (Innsbruck & Tirol) mitten in der Stadt, mit viel Pomp wurde das angekündigt. Mal schauen. Morgen gehe ich nun nach Malmö, erneut für Schweiz Tourismus und verbinde meinen Aufenthalt, Lund und ev. Kopenhagen zu besuchen. Eine Reise zurück in meine Erasmusstadt, seit langem wieder einmal. Ich bin gespannt.
Wie ein paar von euch wissen, werde ich hier oben ja nicht bezahlt. Doch die vielen Anlässe, die neuen Bekanntschaften, Erlebnisse, die vielen feinen Essen und der tiefe Einblick in die diplomatischen Arbeiten sind Lohn genug. Es ist zwar immer viel Arbeit, aber es ist schliesslich und endlich auch ein grosses Privileg.
Montag, 5. Mai 2008
Valborg
Nun, eigentlich ist es viel zu lange her, seit ich euch das letzte Mal über die Kuriositäten der Schwedischen Hauptstadt informiert habe. Ich gehe jetzt auch nicht alle Details durch, manch eine(r) hat mich darauf aufmerksam gemacht, die Einträge des Blogs seien ziemlich lange.. wenn nicht sogar zu lange.
Die Arbeit nimmt immer coolere Formen an. Marianne, die Delegierte von Switzerland Tourism (ST) Sweden, arbeitet ebenfalls im Hause der Botschaft und so hat sie mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein bisschen ins Marketing von ST für die EM'08 einzusteigen. Natürlich hatte ich!! So kam ich nebst den bereits aufgegleisten Events (Public Viewing vor dem Schloss für alle Spiele der Schweden, sowie ein Anlass auf der Residenz der Botschaft für das Eröffnungsspiel) noch zum Privileg, in die Städte von Linköping und Jönköping zu reisen, um dort den Switzerland-Stand einer grossangelegten Roadshow zu präsentieren. Hauptsponsoren sind Hyundai sowie Expressen (eine Schwedische Abendzeitung) und es wird nebst viel Fussball und Werbung auch noch Artistisches geboten. So tritt in jeder Stadt Ola auf, das ist etwa der Schwedische Kandlbauer, jedoch rund 22 Jahre alt und ein Soft-Pop-Star wie ihn nur ein Zuckerwatteproduzent übertreffen könnte. Groupies garantiert.
Das Team, welches die Roadshow begleitet (die Veranstaltungen sind immer Freitags und Samstags und innerhalb von 6 Wochen in rund 12 Städten Schwedens) ist jung und lustig, wenn auch ziemlich chaotisch organisiert. Da passe ich bestens dazu. Einmal dort, beantworte ich Fragen zur Schweiz und meistens kommen dann Leute zu mir, die schon mal in der Schweiz waren und wollen mit mir über die Ferienerlebnisse reden. Leider hielt sich der Aufmarsch der Leute, mal abgesehen von kreischenden Teenies die sich eher nicht für Fussball oder den Schweizer Stand interessierten, in Grenzen. So gesehen wird sich zeigen, wo ich noch hingehen werde (Göteborg, Helsingborg, Malmö, Uppsala und schliesslich Stockholm sind weitere Städte, die ich in dieser Form besuchen sollte, bzw. besucht habe), es ist alles auch eine Kostenfrage und die Reisespesen in so einem riesen Land können ziemlich happig sein. Mal schauen.
Weiter möchte ich über etwas schreiben, dass in der Schweiz so nicht bekannt ist. Der 30. April, "Sista April" wie es auf Schwedisch heisst, gilt in Schweden als der Party-Tag und Studenten im ganzen Land geben sich 24 Stunden lang die Kante. Grund dafür ist das Feiern der Walpurgisnacht (Valborg på svenska) und damit das Vertreiben der Geister und Hexen. Gemeinsam mit Thomas, Julien, Amélie (Kollegin von Julien) und einigen anderen Austauschstudenten zogen wir deshalb am Mittwochnachmittag nach Uppsala, eine reine Studentenstadt rund 45 Minuten ausserhalb Stockholms. Ich kannte die Festivitäten zwar schon von meiner Zeit in Lund, doch was ich in Uppsala sah, sprengte alle Grenzen. Rund 50'000 Personen machten sich mit Bier, Sandwichs und einer Decke bei gemütlichen 22° auf den zahlreichen Grünflächen breit, wobei im grössten Park der Stadt noch eine Bühne mit cooler Musik das Openair-Feeling komplettierte. Taktisch brilliant gingen die Ortskundigen dann gegen 18.00 nach Hause um den Nachmittagsrausch auszuschlafen, damit sie dann 4 Stunden später für die Party in den zahlreichen Nations (quasi die Studentenvereinigungen in Schweden, jedoch in keinster Weise vergleichbar mit Schweizerischen Studentenverbindungen) gewappnet waren. Unsereiner ging etwas essen und setzte sich an das Flüsschen welches Uppsala durchzieht, um ein bisschen zu dösen. Es war supergemütlich. Die Party am Abend dauerte dann ziemlich lange und so gegen halb 7 tags darauf waren wir nach einer endlosen und langweiligen Rückfahrt im wohlverdienten Bett. Ob wir viele Hexen und Zauberer mit unserem Einsatz verscheucht haben, wissen wir nicht, doch sollte es für unsere Vermieterin nicht gereicht haben, wie wir sehr bald feststellen mussten.
Bereits waren ja Fabrice und Daniel zu Besuch und durften die warme und heimelige Unterkunft bei Evil Liz bestaunen. Ich denke, wir hatten damals unseren Spass, selbst wenn Fabrice seit dem Videodreh auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Hinweise aus der Bevölkerung sind an das Evil Liz Witch Projekt Sthlm. AB oder an die nächsten Polizeistelle zu richten.
Am Abend des 1. Mai kam mich dann der legendäre Chrigel Engel besuchen, für alle die ihn nicht kennen, dass ist ein Kumpel vom Unihockey. Er wurde bereits vorinformiert, dass ich am Samstag für Switzerland Tourism nach Göteborg musste, um da wiederum die Vor-Festivitäten zur EM ein bisschen zu begleiten. Da es nicht möglich war, noch am gleichen Tag zurückzureisen (Stockholm - Göteborg dauert so zwischen 3 und 5 Stunden mit dem Zug, Tickets am Abend unbezahlbar), übernachtete ich in Göteborg im Hotel und überliess Chrigu meinen Schlüssel zum Lebkuchenhaus. Bad Idea!!!
Wie Chrigu am Samstagabend in die Wohnung will, schnaubt die Hexe aus dem oberen Fenster, was er hier zu suchen hätte. Ein paar Sekunden später stand sie schwups neben ihm und er musste sich ein Zettermordio von einem Donnerwetter anhören, er hätte hier gar nichts zu suchen und wo ich denn sei. Die Schlichtungsversuche vom gerufenen Julien (der hatte zur selben Zeit die Freundin zu Besuch, davon wusste die Hexe allerdings nichts) versandeten irgendwo in den Ritzen des brüchigen Hauses und so gegen 20.00 erhielt ich den Anruf. Zuerst hat mir Julien zu verstehen gegeben, dass Evil Liz wutentbrand das Haus zum kochen bringe und ich doch kurz mit ihr das klären sollte, weshalb Chrigu zu Besuch sei. Dann folgte die Konversation mit Evil Liz, die mir klar zu verstehen gab, dass mein Gast nicht im Hause erwünscht sei und weil ich ihm den Schlüssel unerlaubt übergeben hätte, sei ich auch nicht mehr erwünscht.. sie hat also nichts anderes gemacht, als mich rausgeworfen. Finito! Einfach Schluss gemacht und das am Telefon!!
Gegen Bezahlung von 100:- durfte dann Chrigu bei Julien übernachten und im gleichen Atemzug sagte Julien noch der Hexe, dass seine Freundin bei ihm sei und er die Nächte natürlich bezahlen werde. Er wollte sich, verständlicherweise, das Schicksal des Rauswurfes ersparen. Ich für meinen Teil trauerte dem misslungenen Hexenvertreiben an Valborg nach und fühlte mich ein bisschen mies, dass ich das alles dem Chrigu antat. Am Sonntag zurück aus Göteborg, gingen Chrigu und ich gleich zum Touristenbüro um das billigste Hotel in der Gegend zu buchen und anschliessend in die Höhle des Bösen. Kleider und Notebook und sonst noch 100 Sachen waren ja immer noch in "meinem" Zimmer und den Hausschlüssel hatte ich ebenfalls. Kurzum haben wir dann sämtliche Sachen zu den Franzosen gestellt, damit ich nicht alles ins Hotel nehmen musste. Bald einmal kam dann die Hexe geflogen und fütterte Julien sowie Elsa mit bösen Blicken, bösen Worten und bösen Gesten - die Anwesenheit Chrigus und meiner Wenigkeit schien sie zuerst zu ignorieren, als ich dann die hinterlegte Kaution einforderte, drehte sie komplett durch. Sie warf mir vor, den Mietvertrag gebrochen zu haben. Sie warf mir vor, manchmal aufs Dach zu steigen und dort hätte ich dann einen Galgen angebracht, um sie zu erschrecken. Sie warf mir vor, morgens um 4 durchs Haus zu schleichen und Dinge zu tun. Auch sonst hätte ich nur kriminelle Gedanken.
Julien, bald einmal selbst ziemlich wütend, probierte ihr klar zu machen, dass dieses Seil, das vom Dach hängt (eben der Galgen) schon da war, als wir eingezogen sind. Evil Liz meinte zu ihm, wenn er's so genau wisse, dann hätte er auch was damit zu tun! Die Frau hat wirklich einen schlimmen Schaden, glücklicherweise ist die psychiatrische Klinik keine 400m von unserem Haus entfernt - ev. sollte ich da mal fragen gehen, ob sie nicht jemanden vermissen.
Den Franzosen reichte es dann auch und sie kündigten per ende Mai, damit sie die Kaution nicht verlieren. Thomas, der Bayer, hat sich sowieso per anfangs Juni etwas anderes gesucht. Die 4'000 Kronen die ich jetzt noch vermisse, werde ich dann halt mal auf anderem Weg einfordern; Schweizerische Botschaft sei Dank. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Unterkunft, bereits hat sich unsere Kulturdelegierte bei mir gemeldet und kurzerhand ihr Gästezimmer angeboten, bis ich etwas finde.
Ich halte euch auf dem Laufenden und hoffe, dass ihr nicht zu sehr enttäuscht seid, dass das Kapitel rund um Evil Liz vorerst zu ende ist. Irgendwo krieg ich aber sicher bald wieder andere Probleme, so dass ich von Neuem über abenteuerliche Gegebenheiten in der Hauptstadt Skandinaviens berichten kann.
Die Arbeit nimmt immer coolere Formen an. Marianne, die Delegierte von Switzerland Tourism (ST) Sweden, arbeitet ebenfalls im Hause der Botschaft und so hat sie mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein bisschen ins Marketing von ST für die EM'08 einzusteigen. Natürlich hatte ich!! So kam ich nebst den bereits aufgegleisten Events (Public Viewing vor dem Schloss für alle Spiele der Schweden, sowie ein Anlass auf der Residenz der Botschaft für das Eröffnungsspiel) noch zum Privileg, in die Städte von Linköping und Jönköping zu reisen, um dort den Switzerland-Stand einer grossangelegten Roadshow zu präsentieren. Hauptsponsoren sind Hyundai sowie Expressen (eine Schwedische Abendzeitung) und es wird nebst viel Fussball und Werbung auch noch Artistisches geboten. So tritt in jeder Stadt Ola auf, das ist etwa der Schwedische Kandlbauer, jedoch rund 22 Jahre alt und ein Soft-Pop-Star wie ihn nur ein Zuckerwatteproduzent übertreffen könnte. Groupies garantiert.
Das Team, welches die Roadshow begleitet (die Veranstaltungen sind immer Freitags und Samstags und innerhalb von 6 Wochen in rund 12 Städten Schwedens) ist jung und lustig, wenn auch ziemlich chaotisch organisiert. Da passe ich bestens dazu. Einmal dort, beantworte ich Fragen zur Schweiz und meistens kommen dann Leute zu mir, die schon mal in der Schweiz waren und wollen mit mir über die Ferienerlebnisse reden. Leider hielt sich der Aufmarsch der Leute, mal abgesehen von kreischenden Teenies die sich eher nicht für Fussball oder den Schweizer Stand interessierten, in Grenzen. So gesehen wird sich zeigen, wo ich noch hingehen werde (Göteborg, Helsingborg, Malmö, Uppsala und schliesslich Stockholm sind weitere Städte, die ich in dieser Form besuchen sollte, bzw. besucht habe), es ist alles auch eine Kostenfrage und die Reisespesen in so einem riesen Land können ziemlich happig sein. Mal schauen.
Weiter möchte ich über etwas schreiben, dass in der Schweiz so nicht bekannt ist. Der 30. April, "Sista April" wie es auf Schwedisch heisst, gilt in Schweden als der Party-Tag und Studenten im ganzen Land geben sich 24 Stunden lang die Kante. Grund dafür ist das Feiern der Walpurgisnacht (Valborg på svenska) und damit das Vertreiben der Geister und Hexen. Gemeinsam mit Thomas, Julien, Amélie (Kollegin von Julien) und einigen anderen Austauschstudenten zogen wir deshalb am Mittwochnachmittag nach Uppsala, eine reine Studentenstadt rund 45 Minuten ausserhalb Stockholms. Ich kannte die Festivitäten zwar schon von meiner Zeit in Lund, doch was ich in Uppsala sah, sprengte alle Grenzen. Rund 50'000 Personen machten sich mit Bier, Sandwichs und einer Decke bei gemütlichen 22° auf den zahlreichen Grünflächen breit, wobei im grössten Park der Stadt noch eine Bühne mit cooler Musik das Openair-Feeling komplettierte. Taktisch brilliant gingen die Ortskundigen dann gegen 18.00 nach Hause um den Nachmittagsrausch auszuschlafen, damit sie dann 4 Stunden später für die Party in den zahlreichen Nations (quasi die Studentenvereinigungen in Schweden, jedoch in keinster Weise vergleichbar mit Schweizerischen Studentenverbindungen) gewappnet waren. Unsereiner ging etwas essen und setzte sich an das Flüsschen welches Uppsala durchzieht, um ein bisschen zu dösen. Es war supergemütlich. Die Party am Abend dauerte dann ziemlich lange und so gegen halb 7 tags darauf waren wir nach einer endlosen und langweiligen Rückfahrt im wohlverdienten Bett. Ob wir viele Hexen und Zauberer mit unserem Einsatz verscheucht haben, wissen wir nicht, doch sollte es für unsere Vermieterin nicht gereicht haben, wie wir sehr bald feststellen mussten.
Bereits waren ja Fabrice und Daniel zu Besuch und durften die warme und heimelige Unterkunft bei Evil Liz bestaunen. Ich denke, wir hatten damals unseren Spass, selbst wenn Fabrice seit dem Videodreh auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Hinweise aus der Bevölkerung sind an das Evil Liz Witch Projekt Sthlm. AB oder an die nächsten Polizeistelle zu richten.
Am Abend des 1. Mai kam mich dann der legendäre Chrigel Engel besuchen, für alle die ihn nicht kennen, dass ist ein Kumpel vom Unihockey. Er wurde bereits vorinformiert, dass ich am Samstag für Switzerland Tourism nach Göteborg musste, um da wiederum die Vor-Festivitäten zur EM ein bisschen zu begleiten. Da es nicht möglich war, noch am gleichen Tag zurückzureisen (Stockholm - Göteborg dauert so zwischen 3 und 5 Stunden mit dem Zug, Tickets am Abend unbezahlbar), übernachtete ich in Göteborg im Hotel und überliess Chrigu meinen Schlüssel zum Lebkuchenhaus. Bad Idea!!!
Wie Chrigu am Samstagabend in die Wohnung will, schnaubt die Hexe aus dem oberen Fenster, was er hier zu suchen hätte. Ein paar Sekunden später stand sie schwups neben ihm und er musste sich ein Zettermordio von einem Donnerwetter anhören, er hätte hier gar nichts zu suchen und wo ich denn sei. Die Schlichtungsversuche vom gerufenen Julien (der hatte zur selben Zeit die Freundin zu Besuch, davon wusste die Hexe allerdings nichts) versandeten irgendwo in den Ritzen des brüchigen Hauses und so gegen 20.00 erhielt ich den Anruf. Zuerst hat mir Julien zu verstehen gegeben, dass Evil Liz wutentbrand das Haus zum kochen bringe und ich doch kurz mit ihr das klären sollte, weshalb Chrigu zu Besuch sei. Dann folgte die Konversation mit Evil Liz, die mir klar zu verstehen gab, dass mein Gast nicht im Hause erwünscht sei und weil ich ihm den Schlüssel unerlaubt übergeben hätte, sei ich auch nicht mehr erwünscht.. sie hat also nichts anderes gemacht, als mich rausgeworfen. Finito! Einfach Schluss gemacht und das am Telefon!!
Gegen Bezahlung von 100:- durfte dann Chrigu bei Julien übernachten und im gleichen Atemzug sagte Julien noch der Hexe, dass seine Freundin bei ihm sei und er die Nächte natürlich bezahlen werde. Er wollte sich, verständlicherweise, das Schicksal des Rauswurfes ersparen. Ich für meinen Teil trauerte dem misslungenen Hexenvertreiben an Valborg nach und fühlte mich ein bisschen mies, dass ich das alles dem Chrigu antat. Am Sonntag zurück aus Göteborg, gingen Chrigu und ich gleich zum Touristenbüro um das billigste Hotel in der Gegend zu buchen und anschliessend in die Höhle des Bösen. Kleider und Notebook und sonst noch 100 Sachen waren ja immer noch in "meinem" Zimmer und den Hausschlüssel hatte ich ebenfalls. Kurzum haben wir dann sämtliche Sachen zu den Franzosen gestellt, damit ich nicht alles ins Hotel nehmen musste. Bald einmal kam dann die Hexe geflogen und fütterte Julien sowie Elsa mit bösen Blicken, bösen Worten und bösen Gesten - die Anwesenheit Chrigus und meiner Wenigkeit schien sie zuerst zu ignorieren, als ich dann die hinterlegte Kaution einforderte, drehte sie komplett durch. Sie warf mir vor, den Mietvertrag gebrochen zu haben. Sie warf mir vor, manchmal aufs Dach zu steigen und dort hätte ich dann einen Galgen angebracht, um sie zu erschrecken. Sie warf mir vor, morgens um 4 durchs Haus zu schleichen und Dinge zu tun. Auch sonst hätte ich nur kriminelle Gedanken.
Julien, bald einmal selbst ziemlich wütend, probierte ihr klar zu machen, dass dieses Seil, das vom Dach hängt (eben der Galgen) schon da war, als wir eingezogen sind. Evil Liz meinte zu ihm, wenn er's so genau wisse, dann hätte er auch was damit zu tun! Die Frau hat wirklich einen schlimmen Schaden, glücklicherweise ist die psychiatrische Klinik keine 400m von unserem Haus entfernt - ev. sollte ich da mal fragen gehen, ob sie nicht jemanden vermissen.
Den Franzosen reichte es dann auch und sie kündigten per ende Mai, damit sie die Kaution nicht verlieren. Thomas, der Bayer, hat sich sowieso per anfangs Juni etwas anderes gesucht. Die 4'000 Kronen die ich jetzt noch vermisse, werde ich dann halt mal auf anderem Weg einfordern; Schweizerische Botschaft sei Dank. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Unterkunft, bereits hat sich unsere Kulturdelegierte bei mir gemeldet und kurzerhand ihr Gästezimmer angeboten, bis ich etwas finde.
Ich halte euch auf dem Laufenden und hoffe, dass ihr nicht zu sehr enttäuscht seid, dass das Kapitel rund um Evil Liz vorerst zu ende ist. Irgendwo krieg ich aber sicher bald wieder andere Probleme, so dass ich von Neuem über abenteuerliche Gegebenheiten in der Hauptstadt Skandinaviens berichten kann.
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