Nun, eigentlich ist es viel zu lange her, seit ich euch das letzte Mal über die Kuriositäten der Schwedischen Hauptstadt informiert habe. Ich gehe jetzt auch nicht alle Details durch, manch eine(r) hat mich darauf aufmerksam gemacht, die Einträge des Blogs seien ziemlich lange.. wenn nicht sogar zu lange.
Die Arbeit nimmt immer coolere Formen an. Marianne, die Delegierte von Switzerland Tourism (ST) Sweden, arbeitet ebenfalls im Hause der Botschaft und so hat sie mich gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein bisschen ins Marketing von ST für die EM'08 einzusteigen. Natürlich hatte ich!! So kam ich nebst den bereits aufgegleisten Events (Public Viewing vor dem Schloss für alle Spiele der Schweden, sowie ein Anlass auf der Residenz der Botschaft für das Eröffnungsspiel) noch zum Privileg, in die Städte von Linköping und Jönköping zu reisen, um dort den Switzerland-Stand einer grossangelegten Roadshow zu präsentieren. Hauptsponsoren sind Hyundai sowie Expressen (eine Schwedische Abendzeitung) und es wird nebst viel Fussball und Werbung auch noch Artistisches geboten. So tritt in jeder Stadt Ola auf, das ist etwa der Schwedische Kandlbauer, jedoch rund 22 Jahre alt und ein Soft-Pop-Star wie ihn nur ein Zuckerwatteproduzent übertreffen könnte. Groupies garantiert.
Das Team, welches die Roadshow begleitet (die Veranstaltungen sind immer Freitags und Samstags und innerhalb von 6 Wochen in rund 12 Städten Schwedens) ist jung und lustig, wenn auch ziemlich chaotisch organisiert. Da passe ich bestens dazu. Einmal dort, beantworte ich Fragen zur Schweiz und meistens kommen dann Leute zu mir, die schon mal in der Schweiz waren und wollen mit mir über die Ferienerlebnisse reden. Leider hielt sich der Aufmarsch der Leute, mal abgesehen von kreischenden Teenies die sich eher nicht für Fussball oder den Schweizer Stand interessierten, in Grenzen. So gesehen wird sich zeigen, wo ich noch hingehen werde (Göteborg, Helsingborg, Malmö, Uppsala und schliesslich Stockholm sind weitere Städte, die ich in dieser Form besuchen sollte, bzw. besucht habe), es ist alles auch eine Kostenfrage und die Reisespesen in so einem riesen Land können ziemlich happig sein. Mal schauen.
Weiter möchte ich über etwas schreiben, dass in der Schweiz so nicht bekannt ist. Der 30. April, "Sista April" wie es auf Schwedisch heisst, gilt in Schweden als der Party-Tag und Studenten im ganzen Land geben sich 24 Stunden lang die Kante. Grund dafür ist das Feiern der Walpurgisnacht (Valborg på svenska) und damit das Vertreiben der Geister und Hexen. Gemeinsam mit Thomas, Julien, Amélie (Kollegin von Julien) und einigen anderen Austauschstudenten zogen wir deshalb am Mittwochnachmittag nach Uppsala, eine reine Studentenstadt rund 45 Minuten ausserhalb Stockholms. Ich kannte die Festivitäten zwar schon von meiner Zeit in Lund, doch was ich in Uppsala sah, sprengte alle Grenzen. Rund 50'000 Personen machten sich mit Bier, Sandwichs und einer Decke bei gemütlichen 22° auf den zahlreichen Grünflächen breit, wobei im grössten Park der Stadt noch eine Bühne mit cooler Musik das Openair-Feeling komplettierte. Taktisch brilliant gingen die Ortskundigen dann gegen 18.00 nach Hause um den Nachmittagsrausch auszuschlafen, damit sie dann 4 Stunden später für die Party in den zahlreichen Nations (quasi die Studentenvereinigungen in Schweden, jedoch in keinster Weise vergleichbar mit Schweizerischen Studentenverbindungen) gewappnet waren. Unsereiner ging etwas essen und setzte sich an das Flüsschen welches Uppsala durchzieht, um ein bisschen zu dösen. Es war supergemütlich. Die Party am Abend dauerte dann ziemlich lange und so gegen halb 7 tags darauf waren wir nach einer endlosen und langweiligen Rückfahrt im wohlverdienten Bett. Ob wir viele Hexen und Zauberer mit unserem Einsatz verscheucht haben, wissen wir nicht, doch sollte es für unsere Vermieterin nicht gereicht haben, wie wir sehr bald feststellen mussten.
Bereits waren ja Fabrice und Daniel zu Besuch und durften die warme und heimelige Unterkunft bei Evil Liz bestaunen. Ich denke, wir hatten damals unseren Spass, selbst wenn Fabrice seit dem Videodreh auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Hinweise aus der Bevölkerung sind an das Evil Liz Witch Projekt Sthlm. AB oder an die nächsten Polizeistelle zu richten.
Am Abend des 1. Mai kam mich dann der legendäre Chrigel Engel besuchen, für alle die ihn nicht kennen, dass ist ein Kumpel vom Unihockey. Er wurde bereits vorinformiert, dass ich am Samstag für Switzerland Tourism nach Göteborg musste, um da wiederum die Vor-Festivitäten zur EM ein bisschen zu begleiten. Da es nicht möglich war, noch am gleichen Tag zurückzureisen (Stockholm - Göteborg dauert so zwischen 3 und 5 Stunden mit dem Zug, Tickets am Abend unbezahlbar), übernachtete ich in Göteborg im Hotel und überliess Chrigu meinen Schlüssel zum Lebkuchenhaus. Bad Idea!!!
Wie Chrigu am Samstagabend in die Wohnung will, schnaubt die Hexe aus dem oberen Fenster, was er hier zu suchen hätte. Ein paar Sekunden später stand sie schwups neben ihm und er musste sich ein Zettermordio von einem Donnerwetter anhören, er hätte hier gar nichts zu suchen und wo ich denn sei. Die Schlichtungsversuche vom gerufenen Julien (der hatte zur selben Zeit die Freundin zu Besuch, davon wusste die Hexe allerdings nichts) versandeten irgendwo in den Ritzen des brüchigen Hauses und so gegen 20.00 erhielt ich den Anruf. Zuerst hat mir Julien zu verstehen gegeben, dass Evil Liz wutentbrand das Haus zum kochen bringe und ich doch kurz mit ihr das klären sollte, weshalb Chrigu zu Besuch sei. Dann folgte die Konversation mit Evil Liz, die mir klar zu verstehen gab, dass mein Gast nicht im Hause erwünscht sei und weil ich ihm den Schlüssel unerlaubt übergeben hätte, sei ich auch nicht mehr erwünscht.. sie hat also nichts anderes gemacht, als mich rausgeworfen. Finito! Einfach Schluss gemacht und das am Telefon!!
Gegen Bezahlung von 100:- durfte dann Chrigu bei Julien übernachten und im gleichen Atemzug sagte Julien noch der Hexe, dass seine Freundin bei ihm sei und er die Nächte natürlich bezahlen werde. Er wollte sich, verständlicherweise, das Schicksal des Rauswurfes ersparen. Ich für meinen Teil trauerte dem misslungenen Hexenvertreiben an Valborg nach und fühlte mich ein bisschen mies, dass ich das alles dem Chrigu antat. Am Sonntag zurück aus Göteborg, gingen Chrigu und ich gleich zum Touristenbüro um das billigste Hotel in der Gegend zu buchen und anschliessend in die Höhle des Bösen. Kleider und Notebook und sonst noch 100 Sachen waren ja immer noch in "meinem" Zimmer und den Hausschlüssel hatte ich ebenfalls. Kurzum haben wir dann sämtliche Sachen zu den Franzosen gestellt, damit ich nicht alles ins Hotel nehmen musste. Bald einmal kam dann die Hexe geflogen und fütterte Julien sowie Elsa mit bösen Blicken, bösen Worten und bösen Gesten - die Anwesenheit Chrigus und meiner Wenigkeit schien sie zuerst zu ignorieren, als ich dann die hinterlegte Kaution einforderte, drehte sie komplett durch. Sie warf mir vor, den Mietvertrag gebrochen zu haben. Sie warf mir vor, manchmal aufs Dach zu steigen und dort hätte ich dann einen Galgen angebracht, um sie zu erschrecken. Sie warf mir vor, morgens um 4 durchs Haus zu schleichen und Dinge zu tun. Auch sonst hätte ich nur kriminelle Gedanken.
Julien, bald einmal selbst ziemlich wütend, probierte ihr klar zu machen, dass dieses Seil, das vom Dach hängt (eben der Galgen) schon da war, als wir eingezogen sind. Evil Liz meinte zu ihm, wenn er's so genau wisse, dann hätte er auch was damit zu tun! Die Frau hat wirklich einen schlimmen Schaden, glücklicherweise ist die psychiatrische Klinik keine 400m von unserem Haus entfernt - ev. sollte ich da mal fragen gehen, ob sie nicht jemanden vermissen.
Den Franzosen reichte es dann auch und sie kündigten per ende Mai, damit sie die Kaution nicht verlieren. Thomas, der Bayer, hat sich sowieso per anfangs Juni etwas anderes gesucht. Die 4'000 Kronen die ich jetzt noch vermisse, werde ich dann halt mal auf anderem Weg einfordern; Schweizerische Botschaft sei Dank. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Unterkunft, bereits hat sich unsere Kulturdelegierte bei mir gemeldet und kurzerhand ihr Gästezimmer angeboten, bis ich etwas finde.
Ich halte euch auf dem Laufenden und hoffe, dass ihr nicht zu sehr enttäuscht seid, dass das Kapitel rund um Evil Liz vorerst zu ende ist. Irgendwo krieg ich aber sicher bald wieder andere Probleme, so dass ich von Neuem über abenteuerliche Gegebenheiten in der Hauptstadt Skandinaviens berichten kann.
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