Mittwoch, 16. April 2008

Die Woche Zwei.

Nun, ich möchte mich gleich zu Beginn für die vielen Rat- Vor und Tiefschläge bedanken, die ich von eurer Seite her erhalten habe. Entgegen gewissen Äusserungen denke ich nicht, dass ich demnächst als Wurstspezialität irgendwo hinter der Theke hänge und ich hoffe auch nicht, dass unter der Fassade des Hauses in Wirklichkeit Lebkuchen ist. Verwundern würde es mich allerdings nicht.

Bevor ich zur Arbeit an der Botschaft komme und bevor ich die diplomatischen Erdbeben beschreibe, die ich bereits ausgelöst habe, werde ich noch kurz zu Evil Liz, Quasimodo und den Franzosen ein paar Worte verlieren.

Stehengeblieben sind wir ja eigentlich dort, wo der Kerl versucht hat, nochmals die Toilette zu reparieren und ich aber dann mit der Vorhängekette an der Tür diesem Tun im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vorschob. In der Zwischenzeit ist noch ein Bayer eingezogen, ein goldiger Junge (jo mej), angehender Doktor der Biologie, welcher sich den inneren Organe einer 1.5mm Tiefseeschnecke verschrieben hat. Wir verstehe uns sehr gut und auch er findet das Haus ein bisschen seltsam.

Einen ganz grossen Fehler habe ich beim letzten Beitrag gemacht, indem ich nicht erwähnt habe, dass Evil Liz ursprünglich aus den Philippinen kommt. Unter diesem Licht war dann nach kurzer Diskussion mit einer Botschaftskollegin auch klar, dass der Quasimodo vermutlich ein illegaler Einwanderer ist, der sich bei ihr versteckt, ergo auch weder Englisch noch Schwedisch kann und sein Gesicht deshalb verbergen wollte, weil ich den dunklen Teint auch morgens um 4 gleich erkannt hätte. Dieses Rätsel ist gelöst und ich darf auch sagen, dass die letzte Woche eigentlich ruhig verlaufen ist, keine Störungen mehr um morgens um Vier, doch auch keine zu ende reparierte Toilette. Dieser Umstand äussert sich nun darin, dass man zwar alles tun kann, was man mit einer Toilette gerne tut, der Fuss der Besagten jedoch weder angeschraubt noch einbetoniert ist; sie steht, oder besser gesagt sie stitzt, einfach da. Aber sie funktioniert..

Eben. Am letzten Sonntag habe ich mir dann gedacht, dass es doch eigentlich ganz gut ist, wo ich wohne (man wird genügsam), dass es auch nichts macht, dass ich den Grund für die verschlossenen Türen nicht kenne, dass es auch nichts macht, dass egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit wir nach Hause kommen, Evil Liz am Fenster steht, schliesslich gibt das ein Gefühl der Sicherheit. In jedem Raum hat sie zudem auch einen Feuermelder (das verstehe ich ja noch) und etwa 4 Temperaturmelder angebracht, wovon teilweise ein paar mit Remotecontrol ausgestattet sind, damit sie die Temperatur in unserem Zimmer von ihrer Wohnung aus Überwachen kann. Da mir ja (wie im früheren Beitrag erwähnt) manchmal kalt war, habe ich von unserem Kanzleiweibel auf der Botschaft so einen Heissluft-Wärmer erhalten und natürlich würde sie es über die Remote-Temperaturmesser merken, wenn der Heizer läuft und gemütliche 23° im Raume verbreitet. Aber sie hat die Rechnung ohne mich gemacht. Seit ein paar Tagen ist es nun mein Hobby, diese mobilen Remote-Controls mal in den Tiefkühler zu legen, mal auf den Backofen, so dass es zwischen - 10° bis über 45° schon etliche Temperaturschwankungen im Hause hatte. Zumindest aus ihrer Optik.

Also, ich sass an diesem Sonntagnachmittag so da und denke ein bisschen vor mich hin, da kommt Evil Liz zur Tür hinein. Das heisst, sie hat's versucht, denn der Bayer und ich haben beschlossen, das Kettchen an der Tür immer zu gebrauchen (obwohl es nichts bringt, man könnte es auch von aussen lösen, sie weiss es nur nicht). Ah, wie sich Evil Liz geärgert hat, "wir seien eine Saubande" meinte sie, "sie hätte uns doch schon gesagt, wir sollen nichts verschliessen" und im gleichen Atemzug meinte sie noch, wie seien in einem der geheimen, mysteriösen Zimmern gewesen, sie hätte den elektronischen Hund gehört, den sie als Bewegungsmelder dort angebracht hat. pfff...


Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte der Leserin, dem Leser klar sein, dass Evil Liz total paranoid ist. Wären wir in irgendeinem verbotenen Zimmer gewesen, hätten pro verbotene Tür ca. 30 legale Alarmanlagen losgedröhnt, nicht zu erwähnen, dass wir ja gar keine verbotenen Schlüssel zu den verbotenen Türen besassen, auch nicht zu den unsrigen erlaubten Zimmern. Das schien ihr überhaupt nicht einzuleuchten und sie schnaubte und stiefelte und murmelte irgendwas, so dass ich das Gefühl bekam, ich wäre gerade Zeuge meiner eigenen Verhexung geworden.

Eben, wir hatten ja keine Schlüssel für unsere Zimmer und so konnten wir auch nichts aufschliessen und leider auch nichts zuschliessen. Doch sie, sie hatte einen ganzen Sack voller Schlüssel. So kam es, dass ich am Montag von der Arbeit nach Hause kam und mein Zimmer verschlossen vorfand. Die übers Handy orienterte Evil Liz bestritt zwar jegliche Beteiligung an diesem Spuk (in Schweden kann es durchaus mal vorkommen, dass sich Türen von selbst verschliessen), meinte noch, wir hätten das bestimmt selbst gemacht, um sie zu ärgern (jaja... sicher) öffnete die Tür, gab mir einen anderen Schlüssel für mein Zimmer (der leider nicht funktioniert) und zottelte wutentbrand davon. Sie ist ein Freak! .. und wisst ihr was? Neulich kam sie noch zu mir und sagte, sie hätte das Recht in mein Zimmer zu gehen, wann sie wolle, es stehe so im Vertrag und sowieso sei sie eine nette Person. Da bin ich ja beruhigt, ich dachte nämlich schon, sie sei in Wirklichkeit Hannibal Lecters Therapeutin im Ruhestand.

Soweit eigentlich die Szenerie bei mir zu Hause. Würden da nicht die Franzosen (nennen wir sie doch Julien und Elsa) und der Schneckensammler aus Bayern (nennen wir ihn Thomas) wohnen, hätte ich längst mein Zimmer mit Knoblauch behängt und einen Kreidekreis um mein Bett gezogen. So aber lässt es sich ganz gut leben, die Hexe ist immer für eine Überraschung gut und die andern Drei helfen mir dann beim Lachen, Enträtseln und Nachforschen, weil ihnen geht es ja nicht besser.

Das Leben an der Botschaft geht schon einiges gesitteter zu. Zum Glück! Ich habe hier mein Büro gleich in der Nähe zum Büro des Botschafters, sowie des Botschaftsrates und kriege durch die 'offene Tür'-Politik eigentlich auch ganz viel mit. Meine Aufgabe ist nebst der Erledigung von so verschiedenen kleinen Sachen und Projekten unter anderem bei der Organisation der Euro'08-Festivitäten mitzuhelfen. Ziel wäre es eigentlich, die Schweiz über die Euro'08 in Schweden ein bisschen bekannter zu machen, irgendwie die Gunst der Stunde zu nutzen. Das wird auch gelingen, was wir jedoch genau machen, das schreibe ich dann ein andermal. Natürlich sind die Österreicher auch nicht am schlafen und so kam es, dass ich bereits Ihre Exzellenz Botschafter aus Österreich an einer Sitzung begrüssen durfte. Schön, nicht?

Sowieso konnte ich schon an einige Treffen und Sitzungen und das ist immer sehr spannend. Für den Tag der Sprachen, der im September hier in Stockholm stattfindet, hatte ich zum Beispiel ein Meeting mit dem Goethe-Institut hier in Schweden. An dieser Sitzung waren nebst Deutschexperten auch die Praktikantin der Deutschen Botschaft und wie ich da so sitze, habe ich gemerkt, dass sie ein bisschen Angela Merkel ähnelt. Ja, ziemlich stark eigentlich und ich musste mir natürlich dann auch überlegen, ob dies vielleicht gar kein Zufall ist und die Deutschen kleine Mini-Angelas als Vertretung ins Ausland schicken? Oder vielleicht sehe ich ja auch aus wie Pascal Chouchepin? Während mir diese Schaudergedanken um unseren Bundespräsidenten und meiner Wenigkeit durch den Kopf gehen, war die Sitzung fertig.

Obwohl ich tagsdarauf nicht mehr an meinem Couchepin-Komplex rumstudierte und obwohl mir die Prakikatin als "Gianna" vorgestellt wurde, sprach ich sie natürlich mit Angela an. Ja das war dann nicht so ideal und ich sicherte ihr zu, dass das ein reiner Versprecher "gianna vs. angela" war und versprach ihr, dass ich mich dafür mit einem Bier irgendwann revanchiere. Sie stimmte zu und ab diesem Zeitpunkt wurde mir auch bewusst, dass Diplomatische Verspannungen auch mal mit einem kalten Hopfentee gelockert werden können. Et volià.

So, mehr zu lesen gibt es ein andermal. Morgen kommt der erste Besuch und ich bin gespannt, wie das weitergeht. Eine Frage der Woche kommt mir so spontan nicht in den Sinn, aber vielleicht gibts ja Fragen von euch? :)

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